Über die Sammlung

Hans Kels d.Ä., Füssen um 1480/1485 – um 1559 Kaufbeuren; Pietà, Oberschwaben, um 1515; Linde, ursprüngliche Fassung z.T. erneuert; 52 x 75 cm; Ehemals Sammlung Oertel, München, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

Der systematische Aufbau einer Sammlung mittelalterlicher Plastik in Düsseldorf begann 1928 mit der Neuordnung des städtischen Kunstbesitzes und der Eröffnung des Kunstmuseums am Ehrenhof. Damals wurde festgelegt, den wenig bedeutenden Skulpturenbestand des ehemaligen Kunstgewerbemuseums zu einer eigenständigen Sammlung zu erweitern. Einen ersten Schwerpunkt bildete 1929 der Erwerb einer großen Zahl hochrangiger Bildwerke des 14., 15. und frühen 16. Jahrhunderts aus der fürstlichen Sammlung Hohenzollern-Sigmaringen. Diese Linie wurde in den 1930er-Jahren weiterverfolgt. Von den breit angelegten Ankäufen zwischen 1934 und 1936 profitierte neben der Gemäldegalerie vor allem der Bereich Skulptur. Die Auflösung bedeutender Privatsammlungen brachte Schlüsselwerke der süddeutschen Spätgotik in Düsseldorfer Besitz, darunter die Madonna von Daniel Mauch, die Pietà von Hans Kels d.Ä. sowie den Hl. Christophorus des Meisters von Ottobeuren aus der Münchener Sammlung Oertel. Darüber hinaus wurden der niederrheinischen und der benachbarten niederländischen Plastik besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Diese Werke des 15. bis frühen 17. Jahrhundert bilden heute einen bedeutenden Schwerpunkt der Düsseldorfer Sammlung. Ein wichtiger Akzent im Bereich des Barock konnte 1932 durch die Übernahme der Akademiesammlung als Dauerleihgabe gesetzt werden, worunter sich eine Gruppe von Bildwerken des ehemaligen flämischen Hofbildhauers Gabriel Grupello befand.

Werkstatt Gabriel Grupello; Muttergottes, Düsseldorf, um 1716/1720; Linde, Fassung stark erneuert, teilweise verfälschend; H. 134,5 cm, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang eine Reihe bedeutender Ankäufe sowie Leihgaben und Schenkungen, die die Abteilung wesentlich ergänzten. Dies gilt vor allem für die Skulpturen und Kleinplastiken aus der Sammlung Dr. M. J. Binder, die einen beachtlichen Zugewinn an Werken der Spätgotik, der Renaissance und des Barock brachten, sowie für die mittelalterlichen Bildwerke der Sammlung Hermann Schwartz, Mönchengladbach. Dabei war die Erwerbung von fünf herausragenden Skulpturen dieser Provenienz im Jahr 1987 von zentraler Bedeutung für den Stellenwert der Skulpturenabteilung des Museums.

Muttergottes, Normandie, um 1300; Kalkstein mit Resten der ursprünglichen Fassung, vollrund, Teile der alten Bemalung erhalten; H. 165 cm, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

Seinen Bestand an Objekten des Kunsthandwerks verdankt das Museum zum überwiegenden Teil dem 1882 durch das vom rheinisch-westfälischen „Central-Gewerbe-Verein“ gegründeten Düsseldorfer Kunstgewerbemuseum. Neben kleineren historisch geordneten Beständen lag die Zielsetzung in der Schaffung kunsthandwerklicher Sammlungsbereiche, die, nach Materialgruppen aufgestellt, vor allen den zeitgenössischen Künstlern und Handwerkern als Anregung und Vorbild für die eigene Arbeit dienen sollten. Nach etwa zwanzig Jahren erfolgreicher Arbeit entzog jedoch die allgemeine Abkehr vom historisierenden Kunstschaffen im Gefolge des Jugendstils dem Kunstgewerbemuseum seine Grundlage – der Gewerbeverein verlor seinen finanziellen Rückhalt und löste sich 1927 auf. Seine Bestände wurden 1928 vom neugegründeten Kunstmuseum übernommen, darunter eine umfangreiche und vielseitige Möbel-, Textil- und Orientsammlung sowie ein reichhaltiger Bestand an Metallobjekten, Holz- und Lederarbeiten. Trotz zahlreicher Tausch- und Verkaufsaktionen, denen die Sammlung des Kunstgewerbemuseums vor und nach der Übernahme durch die Stadt Düsseldorf ausgesetzt war sowie Verlusten im Zweiten Weltkrieg, sind die ursprünglichen Sammlungsbereiche im heutigen Museum noch gut erkennbar.

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