Sammler und Förderer
Netsuke der Sammlung Werdelmann
Das Museum Kunstpalast besitzt seit vielen Jahren einen kleinen, aber feinen Bestand japanischer Kunst. Neben einer Sammlung von tsuba (japanische Schwertstichblätter) der Sammlung Oeder erhielt das Museum 2004 als Schenkung die umfangreiche Netsuke-Sammlung von Professor Dr. Bruno Werdelmann. Auf den ersten Blick sind Netsuke nur wenige Zentimeter hohe Miniaturschnitzereien aus Elfenbein und Holz. Das Ungewöhnliche und Besondere an diesen kleinen Figuren sind die zwei kleinen Löcher, die jedes Netsuke in der Regel aufweist. Sie bilden eine Schnurführung, die diese Schnitzereien gleichzeitig zu einem funktionsgebundenen Gürtelknebel machen. Da japanische Kimonos keine Taschen besitzen, trugen Männer die Dinge des täglichen Bedarfs in kleinen Beuteln und Taschen an einer Schnur am Gürtel. Um das Durch- und Herabrutschen dieser Behältnisse zu verhindern, war an der Schnur das Netsuke angebracht, das die Funktion einer Halterung und eines Gegengewichts hatte. Im frühen 17. Jahrhundert noch als einfache Ringe oder Scheiben gearbeitet, entwickelten sie sich im Laufe von 200 Jahren zu einem prunkvollen und detailreichen, aus Elfenbein oder Buchsbaum-Holz gearbeiteten Schmuckstück für den japanischen Mann.
Japanische Schnitzkunst
Das Interesse an diesen kleinen, kostbaren und handlichen japanischen Schnitzereien fand Professor Werdelmann bereits in den 60er-Jahren. Seitdem trug er mit leidenschaftlicher Begeisterung eine über 1.100 Stücke umfassende Sammlung zusammen. Ein besonderer Reiz der Sammlung Werdelmann liegt in ihrer großen thematischen Vielfalt. Damit eröffnet sie dem Betrachter auf spannende Weise nicht nur „Die Welt der Netsuke“, sondern auch die bedeutende Kultur der Edo-Zeit (1603-1867). Denn es gibt fast keinen Bereich, der nicht als Netsuke dargestellt wurde. Man begegnet buddhistischen Heilsgestalten, den volkstümlichen Glücksgöttern, den sogenannten Unsterblichen aus der chinesischen und taoistischen Literatur sowie Gestalten der chinesischen und japanischen Geschichte. Fabeltiere führen in die chinesische Kosmologie und den reichen japanischen Legendenschatz ein. Man lernt auf unterhaltsame Weise das Alltagsleben in Stadt und Land kennen und schmunzelt über die amüsanten Darstellungen von Nichtasiaten. Andere Motive wiederum illustrieren Sprichwörter oder Aphorismen und geben damit dem Netsuke zusätzliche Bedeutungsdimensionen. Immer wieder sind ungewohnte Aspekte, neue künstlerische Interpretationen oder eine fremdartige Symbolik zu entdecken. Darüber hinaus zeichnet die Sammlung ein breites zeitliches Spektrum aus, das vom frühen 18. bis ins 20. Jahrhundert reicht. Zu den ältesten Stücken gehören die noch stark von chinesischem Gürtelschmuck, Siegelknäufen und Anhängern (toogle) beeinflussten Schnitzarbeiten, die die historische Entwicklung der Netsuke anschaulich präsentieren.
So ist die Schenkung Werdelmann ein bedeutender Gewinn für die Sammlung des Museum Kunstpalast, und bietet die Möglichkeit, einen wichtigen Bereich innerhalb der unvergleichlichen japanischen Schnitzkunst näher kennen zu lernen.









