Über die Sammlung

Hans Kels d.Ä., Pietà, Oberschwaben, um 1515, Linde, ursprüngliche Fassung z.T. erneuert,  52 x 75 cm, Inv.-Nr. P 1936-3, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK
Hans Kels d.Ä., Pietà, Oberschwaben, um 1515, Linde, ursprüngliche Fassung z.T. erneuert, 52 x 75 cm, Inv.-Nr. P 1936-3, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

Der systematische Aufbau einer Sammlung mittelalterlicher Plastik in Düsseldorf begann 1928 mit der Neuordnung des städtischen Kunstbesitzes und der Eröffnung des Kunstmuseums am Ehrenhof. Damals wurde festgelegt, den wenig bedeutenden Skulpturenbestand des ehemaligen Kunstgewerbemuseums zu einer eigenständigen Sammlung zu erweitern. Einen ersten Schwerpunkt bildete 1929 der Erwerb einer großen Zahl hochrangiger Bildwerke des 14., 15. und frühen 16. Jahrhunderts aus der fürstlichen Sammlung Hohenzollern-Sigmaringen. Diese Linie wurde in den 1930er-Jahren weiterverfolgt. Von den breit angelegten Ankäufen zwischen 1934 und 1936 profitierte neben der Gemäldegalerie vor allem der Bereich Skulptur. Die Auflösung bedeutender Privatsammlungen brachte Schlüsselwerke der süddeutschen Spätgotik in Düsseldorfer Besitz, darunter die Madonna von Daniel Mauch, die Pietà von Hans Kels d.Ä. sowie den Hl. Christophorus des Meisters von Ottobeuren aus der Münchener Sammlung Oertel. Darüber hinaus wurden der niederrheinischen und der benachbarten niederländischen Plastik besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Diese Werke des 15. bis frühen 17. Jahrhundert bilden heute einen bedeutenden Schwerpunkt der Düsseldorfer Sammlung. Ein wichtiger Akzent im Bereich des Barock konnte 1932 durch die Übernahme der Akademiesammlung als Dauerleihgabe gesetzt werden, worunter sich eine Gruppe von Bildwerken des ehemaligen flämischen Hofbildhauers Gabriel Grupello befand.

Werkstatt Gabriel Grupello, Muttergottes, Düsseldorf, um 1716/1720, Linde, Fassung stark erneuert, teilweise verfälschend, H 134,5 cm, Inv.-Nr. P 1939-11, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK
Werkstatt Gabriel Grupello, Muttergottes, Düsseldorf, um 1716/1720, Linde, Fassung stark erneuert, teilweise verfälschend, H 134,5 cm, Inv.-Nr. P 1939-11, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang eine Reihe bedeutender Ankäufe sowie Leihgaben und Schenkungen, die die Abteilung wesentlich ergänzten. Dies gilt vor allem für die Skulpturen und Kleinplastiken aus der Sammlung Dr. M. J. Binder, die einen beachtlichen Zugewinn an Werken der Spätgotik, der Renaissance und des Barock brachten, sowie für die mittelalterlichen Bildwerke der Sammlung Hermann Schwartz, Mönchengladbach. Dabei war die Erwerbung von fünf herausragenden Skulpturen dieser Provenienz im Jahr 1987 von zentraler Bedeutung für den Stellenwert der Skulpturenabteilung des Museums.

Muttergottes, Normandie, um 1300, Kalkstein mit Resten der ursprünglichen Fassung, vollrund, Teile der alten Bemalung erhalten, H 165 cm, Inv.-Nr. P 1987-3, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK
Muttergottes, Normandie, um 1300, Kalkstein mit Resten der ursprünglichen Fassung, vollrund, Teile der alten Bemalung erhalten, H 165 cm, Inv.-Nr. P 1987-3, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

Seinen Bestand an Objekten des Kunsthandwerks verdankt das Museum zum überwiegenden Teil dem 1882 durch das vom rheinisch-westfälischen „Central-Gewerbe-Verein“ gegründeten Düsseldorfer Kunstgewerbemuseum. Neben kleineren historisch geordneten Beständen lag die Zielsetzung in der Schaffung kunsthandwerklicher Sammlungsbereiche, die, nach Materialgruppen aufgestellt, vor allen den zeitgenössischen Künstlern und Handwerkern als Anregung und Vorbild für die eigene Arbeit dienen sollten. Nach etwa zwanzig Jahren erfolgreicher Arbeit entzog jedoch die allgemeine Abkehr vom historisierenden Kunstschaffen im Gefolge des Jugendstils dem Kunstgewerbemuseum seine Grundlage – der Gewerbeverein verlor seinen finanziellen Rückhalt und löste sich 1927 auf. Seine Bestände wurden 1928 vom neugegründeten Kunstmuseum übernommen, darunter eine umfangreiche und vielseitige Möbel-, Textil- und Orientsammlung sowie ein reichhaltiger Bestand an Metallobjekten, Holz- und Lederarbeiten. Trotz zahlreicher Tausch- und Verkaufsaktionen, denen die Sammlung des Kunstgewerbemuseums vor und nach der Übernahme durch die Stadt Düsseldorf ausgesetzt war sowie Verlusten im Zweiten Weltkrieg, sind die ursprünglichen Sammlungsbereiche im heutigen Museum noch gut erkennbar.

Highlights

  • Meister des Erminold (?), Thronende Muttergottes, um 1290, Zirbelholz,  Rückseite gehöhlt, bedeutende Reste der ursprünglichen Fassung, H 87 cm, Inv-Nr. P 1987-1, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

    Meister des Erminold (?), Thronende Muttergottes, um 1290

  • Stammbaum Christi, Schwaben, um 1530, Linde, Fassung verloren, 159 × 110 cm, Inv.-Nr. P 1929-121, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

    Stammbaum Christi, Schwaben, um 1530

  • Daniel Mauch, Madonna auf der Mondsichel, Ulm, um 1510-1520, Linde, Rückseite gehöhlt, Fassung verloren, H 137 cm, Inv.-Nr 1936-2, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

    Daniel Mauch (1476/77-1540), Madonna auf der Mondsichel, Ulm, um 1510-1520

  • Meister von Ottobeuren; Christophorus, um 1515-1520; Linde, Rückseite gehöhlt, Fassung verloren, 120 x 46 x 17 cm; Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

    Meister von Ottobeuren, Christophorus, um 1515-1520

  • Gabriel Grupello, Porträtbüste der Kurfürstin Anna Maria Luisa aus dem Hause Medici, Düsseldorf, um 1700, Marmor, H 117 cm (ohne Sockel), Inv.-Nr. AP 161, Dauerleihgabe der Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf (NRW), Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

    Gabriel Grupello (1644-1730), Porträtbüste der Kurfürstin Anna Maria Luisa de Medici, um 1700

  • Gabriel Grupello, Porträtbüste des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, Düsseldorf, um 1700, Marmor, H 110 cm (ohne Sockel), Inv.-Nr. AP 160, Dauerleihgabe der Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf (NRW), Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

    Gabriel Grupello (1644-1730), Porträtbüste des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, um 1700

  • Anfangsseiten einer Handschrift, Buchara 1540, Gouache auf Papier, 21,2 x 12,6 cm (geschlossen), Inv.-Nr. 11315, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

    Anfangsseiten einer Handschrift, Buchara, 1540

  • Gottfried Schadow, Badendes Mädchen, Berlin, um 1784/85, Marmor H 98 cm, Inv.-Nr. P 1950-2, Foto: LVR-ZMB, Stefan Arendt – ARTOTHEK

    Gottfried Schadow (1764-1850), Badendes Mädchen, um 1784/85

  • Fassadenschrank mit Kabinett, Süddeutschland, Anfang 17. Jh., Marketerie und Intarsien auf Eichen- und Fichtenkern, 161,3 x 120 x 58 cm, Inv.-Nr. 18001, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

    Fassadenschrank mit Kabinett, Anfang 17. Jh.

  • Flügelaltar, Oberrhein, vollendet 1516, Linde, Fassung verloren, Rahmung teilweise erneuert, Mitteltafel im 19. Jh. aufgesockelt, bekrönendes Rankenwerk verloren, 172 x 318 cm (bei geöffneten Flügeln), ehem. in der oberen Beinhauskapelle in Baden im Aargau, dann Staatl. Museen Berlin, Inv.-Nr. P 1936-150, Foto: LVR-ZMB, Stefan Arendt – ARTOTHEK
Auf der Rückseite des Altars: Szene aus der Legende des Erzengels Michael sowie Michael begleitet von den Hll.Nikolaus, Erasmus von Antiochien, Magdalena und Elisabeth

    Flügelaltar, Oberrhein, vollendet 1516

  • Moschee-Tor, Ägypten, 15. Jh.

Bestand Skulptur und Angewandte Kunst

Anna Selbdritt und Joachim, Niederrhein, um 1500/1510, Eiche, ohne Fassung, H 94 cm, Inv.-Nr. P 1940-216, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK
Anna Selbdritt und Joachim, Niederrhein, um 1500/1510, Eiche, ohne Fassung, H 94 cm, Inv.-Nr. P 1940-216, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

Die Skulpturensammlung umfasst insgesamt über 1300 Exponate von Kleinbronzen über Elfenbein bis hin zu lebensgroßen Holz- und Steinplastiken aus der Zeit des 11. bis 19. Jhs.

Bildwerke von der Romanik bis zur Gotik

Einen thematischen Schwerpunkt bildet die christliche Kunst des Spätmittelalters mit dem Bildtypus Maria mit dem Christuskind. Die verschiedenen Werke zeigen eindrucksvoll den Wandel in der Gestaltung von der Romanik zur Gotik. Ende des 14. Jhs. entwickeln sich als neuer marianischer Typus die sogenannten ‚Schönen Madonnen’. Ein besonders wertvolles Stück der Düsseldorfer Sammlung ist die Muttergottes aus Salzburg, um 1400. Ein weiteres wichtiges Thema in der religiösen Kunst ist das Motiv der ‚Anna Selbdritt’, das seit dem Mittelalter als Vergegenwärtigung der unbefleckten Empfängnis Marias durch Anna verstanden wurde. Die aus dem Niederrheinischen stammende Figurengruppe aus der Zeit um 1500, wurde durch die Hinzufügung Joachims, des Mannes der Anna, seiner eigentlichen Bedeutung entkleidet und wandelt sich damit inhaltlich zu einer Darstellung der Familie Marias.

Hl. Barbara, Mecheln, um 1480, Eiche, Originalfassung, eingebrannte Stadtmarke „M“, H 36 cm, Inv.-Nr. P 1987-2, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK
Hl. Barbara, Mecheln, um 1480, Eiche, Originalfassung, eingebrannte Stadtmarke „M“, H 36 cm, Inv.-Nr. P 1987-2, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

Plastiken der rheinischen und süddeutschen Spätgotik

Zu den herausragenden Bildwerken gehören desweiteren Heiligen- und Madonnenfiguren der rheinischen und süddeutschen Spätgotik: u.a Kleinplastiken wie die Mechelner Hl. Barbara, die Figurengruppe des Meisters der Biberacher Sippe, der Hl. Christophorus des Meisters von Ottobeuren sowie die Muttergottes des großartigen Ulmer Schnitzers Daniel Mauch.

Werke des Barock

Von großer Bedeutung für die Düsseldorfer Sammlung sind die Werke des Barock, hier besonders die Skulpturen Gabriel Grupellos, dem Hofbildhauer des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz. Im Zentrum seiner Arbeit stand vor allem das Bildnis des Herrschers und seiner Gemahlin Anna Maria Luisa aus dem Hause Medici. Das Museum besitzt u.a. Plastiken des Herrscherpaares, mythologische Bronzeskulpturen, verschiedene Marmorreliefs sowie eine hervorragende Darstellung der ‚Maria vom Siege’.

Netsuke, Tanuki als Priester, Japan, späte Edo-Zeit, Mitte 19. Jh., Elfenbein, ein Auge aus Horn, H 6,3 cm, Inv.-Nr. P 2005-232, Schenkung Prof. Dr. Bruno Werdelmann, Foto: Lothar Milatz
Netsuke, Tanuki als Priester, Japan, späte Edo-Zeit, Mitte 19. Jh., Elfenbein, ein Auge aus Horn, H 6,3 cm, Inv.-Nr. P 2005-232, Schenkung Prof. Dr. Bruno Werdelmann, Foto: Lothar Milatz

Orientalisches Kunsthandwerk

Die attraktive Sammlung islamischen Kunsthandwerks geht zurück auf den ersten Direktor des Kunstgewerbemuseums, Heinrich Frauberger, der in den 1880er- und 1890er -Jahren diesen Bereich systematisch durch den Erwerb von Handschriften, Miniaturen, Koraneinbänden, Textilien, Metall-, Holz- und Keramikobjekten aufbaute.

Asiatische Kunst

Der Bereich der asiatischen Kunst geht auf einen kleinen, aber nennenswerten Bestand von 88 Tsuba (japanische Schwertstichblätter) der Sammlung Oeder zurück. Durch die Schenkung Hans Lühdorf kam u.a. eine mehr als 400 Blatt umfassende Farbholzschnittsammlung des 19. Jahrhunderts in das Museum. Zusammen mit der Netsuke-Sammlung von Bruno Werdelmann, einer der größten Sammlungen japanischer Gürtelknebel, werden in diesem Bereich nun beachtenswerte Akzente der japanischen Kunst und Kulturgeschichte vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert gesetzt.

Zur Werdelmann-Schenkung gehören darüber hinaus rund 80 buddhistische, hinduistische und jainistische Skulpturen der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Weitere Infomationen über die Netsuke-Sammlung finden Sie hier.

Kuss- oder Paxtafel, Antwerpen, Anfang 17. Jh., Silber, gegossen, graviert, teilvergoldet, 20,5 x 29 cm, Inv.-Nr. P 2001-14, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK
Kuss- oder Paxtafel, Antwerpen, Anfang 17. Jh., Silber, gegossen, graviert, teilvergoldet, 20,5 x 29 cm, Inv.-Nr. P 2001-14, Foto: Horst Kolberg – ARTOTHEK

Textilsammlung

Die Textilsammlung des Museums, die in ihrer Art zu den umfassendsten in Deutschland gehört, dokumentiert mit rund 6.000 Objekten die europäische und orientalische Stilgeschichte der Textilkunst von der Spätantike bis ins 20. Jahrhundert, u.a. mit einem Schwerpunkt bei den koptischen Textilien.

Metall- und Goldschmiedekunst

Zu den weiteren Sammlungskonvoluten gehören die Metall- und Goldschmiedekunst, die sich mit prunkvoll gestalteten Objekten der Tafelkultur sowie Werken aus dem Sakralen präsentieren. Eine aus frühbarocker Zeit stammende Paxtafel aus Flandern der Sammlung Dr. M. J. Binder gehört hier zu den herausragenden Stücken.

Möbel, Design-Objekte

Eine Vielzahl historischer Möbel, u.a. der Gotik und des Barock, sowie Kästchen und Schatullen aus fünf Jahrhunderten bilden einen eigenen Sammlungskomplex, der in den 1980er-Jahren um den Bereich Design erweitert wurde.

Forschung

Stehender Buddha Shakyamuni auf doppeltem Lotus-Sockel, Nepal, 10. Jh. n. Chr., vielleicht auch 8./9. Jh. n. Chr., Die rechte Hand des Erhabenen führt die varada-mudra aus, die Gewährungsgeste; die linke hält wohl eine Blüte; Bronze mit dunkler, teilweise beriebener Patina, H 32 cm, Inv.-Nr. P 2005-1114, Foto: LVR-ZMB, St. Arendt – ARTOTHEK
Stehender Buddha Shakyamuni auf doppeltem Lotus-Sockel, Nepal, 10. Jh. n. Chr., vielleicht auch 8./9. Jh. n. Chr., Die rechte Hand des Erhabenen führt die varada-mudra aus, die Gewährungsgeste; die linke hält wohl eine Blüte; Bronze mit dunkler, teilweise beriebener Patina, H 32 cm, Inv.-Nr. P 2005-1114, Foto: LVR-ZMB, St. Arendt – ARTOTHEK

Sammlung koptischer Textilien

Mit dem Mitte des Jahres 2010 erschienenen zweiten Band “Die koptischen Textilien im Museum Kunstpalast Düsseldorf“ ist nun dieser Bestand im Wesentlichen wissenschaftlich aufgearbeitet. Das Projekt geht zurück auf eine im Jahr 2002 vereinbarte Zusammenarbeit mit Professor Dr. Martin Krause und seinen Mitarbeitern vom Institut für Ägyptologie und Koptologie der Universität Münster. Das Museum Kunstpalast besitzt mit mehr als 450 Exponaten eine der umfangreichsten Sammlung koptischer Gewebe aus der Zeit des 3. – 8. Jahrhunderts n.Chr. Der von Suzana Hodak bearbeitete Katalog knüpft an den 2004 erschienenen und von Karl-Heinz Brune bearbeiteten ersten Teil an. Das behandelte Konvolut umfasst bis auf wenige Ausnahmen jene Textilien, deren Purpur- und Buntwirkereien rein ornamentalen Dekor aufweisen bzw. bei figürlichen Motiven sich ausschließlich auf Tiermotive beschränken.

Sammlung buddhistischer und hinduistischer Skulpturen

Das Museum Kunstpalast hat im Jahr 2004 durch einen Schenkungsvertrag eine umfangreiche, bereits in einem wissenschaftlich bearbeiteten Bestandskatalog erfasste und in einer Ausstellung präsentierte Netsuke-Kollektion von Herrn Prof. Dr. Dr. h. c. Bruno Werdelmann (1920 -2010) erhalten. Zu dieser Schenkung gehört eine aus rund 80 Werken bestehende Sammlung zur buddhistischen, hinduistischen und jainistischen Skulptur Asiens aus der Zeitspanne der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung bis in die zweite Hälfte des 19. Jh. Den zahlenmäßigen Schwerpunkt bilden Exponate aus Siam sowie jene der Khmer-Kultur. Weitere Skulpturen stammen aus Birma, China, Indien, Nepal, Laos sowie aus Tibet.

Sammler und Förderer

Das runde Netsuke (hier nicht figural) hält eine Medizindose (inro) am Gürtel (obi) eines Kimonos fest. Foto: Lothar Milatz, Düsseldorf
Das runde Netsuke (hier nicht figural) hält eine Medizindose (inro) am Gürtel (obi) eines Kimonos fest. Foto: Lothar Milatz, Düsseldorf

Netsuke der Sammlung Werdelmann

Das Museum Kunstpalast besitzt seit vielen Jahren einen kleinen, aber feinen Bestand japanischer Kunst. Neben einer Sammlung von tsuba (japanische Schwertstichblätter) der Sammlung Oeder erhielt das Museum 2004 als Schenkung die umfangreiche Netsuke-Sammlung von Professor Dr. Bruno Werdelmann. Auf den ersten Blick sind Netsuke nur wenige Zentimeter hohe Miniaturschnitzereien aus Elfenbein und Holz. Das Ungewöhnliche und Besondere an diesen kleinen Figuren sind die zwei kleinen Löcher, die jedes Netsuke in der Regel aufweist. Sie bilden eine Schnurführung, die diese Schnitzereien gleichzeitig zu einem funktionsgebundenen Gürtelknebel machen. Da japanische Kimonos keine Taschen besitzen, trugen Männer die Dinge des täglichen Bedarfs in kleinen Beuteln und Taschen an einer Schnur am Gürtel. Um das Durch- und Herabrutschen dieser Behältnisse zu verhindern, war an der Schnur das Netsuke angebracht, das die Funktion einer Halterung und eines Gegengewichts hatte. Im frühen 17. Jahrhundert noch als einfache Ringe oder Scheiben gearbeitet, entwickelten sie sich im Laufe von 200 Jahren zu einem prunkvollen und detailreichen, aus Elfenbein oder Buchsbaum-Holz gearbeiteten Schmuckstück für den japanischen Mann.

Netsuke, Kurtisane und Dienerin, erste Hälfte 19. Jh., Elfenbein, H 5,9 cm, Inv.-Nr. P 2005-401, Foto: Lothar Milatz
Netsuke, Kurtisane und Dienerin, erste Hälfte 19. Jh., Elfenbein, H 5,9 cm, Inv.-Nr. P 2005-401, Foto: Lothar Milatz

Japanische Schnitzkunst

Das Interesse an diesen kleinen, kostbaren und handlichen japanischen Schnitzereien fand Professor Werdelmann bereits in den 60er-Jahren. Seitdem trug er mit leidenschaftlicher Begeisterung eine über 1.100 Stücke umfassende Sammlung zusammen. Ein besonderer Reiz der Sammlung Werdelmann liegt in ihrer großen thematischen Vielfalt. Damit eröffnet sie dem Betrachter auf spannende Weise nicht nur „Die Welt der Netsuke“, sondern auch die bedeutende Kultur der Edo-Zeit (1603-1867). Denn es gibt fast keinen Bereich, der nicht als Netsuke dargestellt wurde. Man begegnet buddhistischen Heilsgestalten, den volkstümlichen Glücksgöttern, den sogenannten Unsterblichen aus der chinesischen und taoistischen Literatur sowie Gestalten der chinesischen und japanischen Geschichte. Fabeltiere führen in die chinesische Kosmologie und den reichen japanischen Legendenschatz ein. Man lernt auf unterhaltsame Weise das Alltagsleben in Stadt und Land kennen und schmunzelt über die amüsanten Darstellungen von Nichtasiaten. Andere Motive wiederum illustrieren Sprichwörter oder Aphorismen und geben damit dem Netsuke zusätzliche Bedeutungsdimensionen. Immer wieder sind ungewohnte Aspekte, neue künstlerische Interpretationen oder eine fremdartige Symbolik zu entdecken. Darüber hinaus zeichnet die Sammlung ein breites zeitliches Spektrum aus, das vom frühen 18. bis ins 20. Jahrhundert reicht. Zu den ältesten Stücken gehören die noch stark von chinesischem Gürtelschmuck, Siegelknäufen und Anhängern (toogle) beeinflussten Schnitzarbeiten, die die historische Entwicklung der Netsuke anschaulich präsentieren.

So ist die Schenkung Werdelmann ein bedeutender Gewinn für die Sammlung des Museum Kunstpalast, und bietet die Möglichkeit, einen wichtigen Bereich innerhalb der unvergleichlichen japanischen Schnitzkunst näher kennen zu lernen.

Weitere Netsuke finden Sie hier.

Publikationen

Skulptur und Angewandte Kunst

Die Publikationsliste finden Sie hier als pdf.

Kataloge können unter folgendem Kontakt bestellt werden: petra.hecht(at)smkp.de

Vergriffene Kataloge können Sie in der Bibliothek einsehen.

 

 

 

Auswahl verfügbarer Kataloge

Jean Tinguely. Super Meta Maxi
Museum Kunstpalast, Düsseldorf / Stedelijk Museum, Amsterdam. Hrsg. Margriet Schavemaker, Barbara Til und Beat Wismer, 2016. Texte von Kaira M. Cabañas, Hans-Christian von Herrmann, Dominik Müller, Johan Pas, Margriet Schavemaker, Barbara Til, Beat Wismer und Thekla Zell. 22 x 29 cm., 284 S., gebunden

The World of Netsuke
The Werdelmann Collection at the museum kunst palast Arnoldsche Verlagsanstalt, 2005, nur in englischer Sprache

Die koptischen Textilien im museum kunst palast Düsseldorf
Suzana Hodak, Teil 2: Figürliche und ornamentale Purpur- und Buntwirkereien, Band 13 der Reihe Sprachen und Kulturen des Christlichen Orients, 2011, (2 Bände und CD-Rom)

Das Borngräber-Zimmer - Neues Deutsches Design (Spot On 03)
Museum Kunstpalast, Düsseldorf, 2009

Lade Ergebnisse ...
Lade Ergebnisse ...