Die Moderne Abteilung – Historische Entwicklung

Otto Dix, Bildnis des Malers Franz Radziwill, 1928, Öl auf Leinwand, 80,1 x 60,0 cm, © Otto Dix / VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Museum Kunstpalast - Artothek

Seit der Gründung der damaligen Städtischen Kunstsammlungen zu Düsseldorf im Jahr 1913 gehört zeitgenössische Kunst zum Profil des Museums. 1916 formulierte der Gründungsdirektor des Hauses, Karl Koetschau, die Ziele des Hauses beim Aufbau der Sammlungen und hob hervor, dass sie „die Entwicklungsgeschichte der Düsseldorfer Kunst nach ihren hauptsächlichen Richtungen und Meistern zu zeigen haben, mit auserlesenen Werken, von den Anfängen bis zur Gegenwart, soweit sich in dieser schon bleibende Werte haben herausbilden können“. Inzwischen umfasst die Sammlung mehr als 3000 Gemälde, Skulpturen, Videoarbeiten und Rauminstallationen von Künstlern und Künstlerinnen aus der Zeit zwischen 1900 und der Gegenwart.

Otto Dix, Der Krieg, 1914 ©VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Otto Dix, Der Krieg, 1914 ©VG Bild-Kunst, Bonn 2011

1913 - 1945

Beim Erwerb zeitgenössischer Kunst beschränkte man sich weitgehend auf Werke von Künstlern aus der Region, auf Absolventen der Düsseldorfer Akademie, Exponenten der rheinischen Kunstszene, Mitglieder des Sonderbunds und des Jungen Rheinlands. Einige Werke des deutschen Expressionismus – von Künstlern der „Brücke“ und des Blauen Reiters und der Neuen Sachlichkeit kamen hinzu; es bleibt aber auffällig, dass auf Ankäufe französischer Avantgardekunst völlig verzichtet wurde.

1932 plante Koetschaus Nachfolger Hans Hupp die Einrichtung einer „Galerie der Neuzeit“, die er am 17. Juli 1935, mit immer noch deutlicher Konzentration auf regionale und deutsche Kunst eröffnete. Ab 1936 zwangen ihn die Nationalsozialisten, Werke von Künstlern wie Nolde, Pechstein oder Dix zu verkaufen, und mit der Beschlagnahmeaktion der sog. „Entarteten Kunst“ war die „Galerie der Neuzeit“ 1937 praktisch aufgelöst. 101 Gemälde, 11 Skulpturen und 526 graphische Werke gingen durch diese barbarische Aktion verloren.

Ellsworth Kelly, Red Blue, 1968 © Ellsworth Kelly
Ellsworth Kelly, Red Blue, 1968 © Ellsworth Kelly

1945 - 2001

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bemühte sich Werner Doede, der dritte Direktor des Düsseldorfer Kunstmuseums, zunächst darum, diese Lücke zu schließen und erwarb in den ersten Jahren nach dem Krieg hauptsächlich expressionistische und realistische Werke, und erst ab der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre kamen abstrakte Werke der Vorkriegsavantgarde – Bauhaus, abstraction-création – hinzu.

Ab 1969 wurde die Moderne Abteilung im Museum auf eigene Füße gestellt und aus der Gemäldeabteilung ausgegliedert. Es wurde beschlossen, „gezielt und systematisch zeitgenössische Kunst unter internationalen Aspekten zu erwerben“. Seit 1976 leitete Stephan von Wiese die Moderne Abteilung und verlagerte den Akzent der Sammlung stärker in Richtung auf das Umfeld von Joseph Beuys und seinen Schülern sowie wichtige Vertreter der Individuellen Mythologien wie Michael Buthe oder Stephan Runge.

Gerhard Richter, Helga Matura, 1965 © Gerhard Richter
Gerhard Richter, Helga Matura, 1965 © Gerhard Richter

Seit 2001

Mit der Umwandlung des Museums in eine public private partnership und der Umbenennung in museum kunst palast setzte 2001-2006 der neue Direktor des Hauses, Jean-Hubert Martin, auch neue Akzente bei den Ankäufen zeitgenössischer Kunst, indem er verstärkt Arbeiten von Künstlern der ehemaligen „Dritten Welt“ sowie Arbeiten von Künstlern erwarb , die sich Themen der Globalisierung und ihrer problematischen Implikationen widmeten.

Die Sammlung der Abteilung Moderne erfährt wertvolle Unterstützung durch unterschiedliche Modelle der Förderung und Entwicklung. Das 2003 von Stephan von Wiese gegründete Archiv künstlerischer Fotografie der rheinischen Kunstszene (AFORK) ist inzwischen auf einen Bestand von ca. 6000 Fotografien angewachsen und wird dank gezielter Unterstützung durch die Stadt Düsseldorf und weiterer Stifter beständig vergrößert. Der Verein der Freunde Museum Kunstpalast (früher: Museumsverein) unterstützt seit vielen Jahren die Arbeit des Museums durch prominente Dauerleihgaben und die Finanzierung von Ausstellungs- und Publikationsprojekten. Umfangreiche Schenkungen wie die von Wolfgang Hanck (2008) oder von Willi Kemp (2011) ergänzen gezielt den Bestand. An die Abteilung angegliedert bzw. eng mit ihr verbunden sind die Gerhard und Margarethe Hoehme-Stiftung mit dem bildnerischen Nachlass von Gerhard Hoehme und die ZERO Foundation, in der seit 2005 große Werkgruppen sowie wichtige Archivalien der Künstler Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker bewahrt und wissenschaftlich erschlossen werden. Seit 2008 besteht die Sammlung Stadtsparkasse Düsseldorf im Museum Kunstpalast, die Erwerbungen wichtiger junger Kunst aus der Region ermöglicht. Hinzu kommen bedeutende Dauerleihgaben und Schenkungen von Einzelpersonen, die eine wesentliche Bereicherung bedeuten. Die Zielrichtung bleibt: Die Sammlung in ihren Schwerpunkten zu stärken, den Bezug zur Region zu pflegen, ohne den Qualitätsanspruch auf einen provinziellen Maßstab abzusenken, und die Sammlung um internationale Werke zu bereichern, an denen sich die in der Region ansässigen Künstler messen können.

Highlights

Bestand

Nam June Paik; Fish Flies on Sky, 1983-85; Installation mit 88 Monitoren; Maße variabel; Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf © Nam June Paik Estate, New York
Nam June Paik, Fish Flies on Sky, 1983-85; Installation mit 88 Monitoren; Maße variabel; Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf © Nam June Paik Estate, New York

Seit der Gründung der damaligen Städtischen Kunstsammlungen zu Düsseldorf im Jahr 1913 gehört zeitgenössische Kunst zum Profil des Museums. 1916 formulierte der Gründungsdirektor des Hauses, Karl Koetschau, die Ziele des Hauses beim Aufbau der Sammlungen und hob hervor, dass sie „die Entwicklungsgeschichte der Düsseldorfer Kunst nach ihren hauptsächlichen Richtungen und Meistern zu zeigen haben, mit auserlesenen Werken, von den Anfängen bis zur Gegenwart, soweit sich in dieser schon bleibende Werte haben herausbilden können“. Inzwischen umfasst die Sammlung mehr als 3000 Gemälde, Skulpturen, Videoarbeiten und Rauminstallationen von Künstlern und Künstlerinnen aus der Zeit zwischen 1900 und der Gegenwart.

Eine detaillierte Schilderung der Sammlung finden Sie hier.

Sammlung Stadtsparkasse im Museum Kunstpalast

Erik van Lieshout, Rotterdam-Rostock, 2006 ©Erik van Lieshout
Erik van Lieshout, Rotterdam-Rostock, 2006 ©Erik van Lieshout

Seit 2008 besteht eine Kooperation zwischen dem Museum Kunstpalast und der Stadtsparkasse Düsseldorf. Die Grundidee dieser Zusammenarbeit ist die Förderung junger Kunst aus der Region sowie die Ergänzung der Sammlungen des Museums um herausfordernde Gegenwartskunst. Im Kooperationsvertrag von 2008 wurde der Grundsatz wie folgt formuliert:

 „Der Kunstbegriff von heute gebietet, parallel nebeneinander Bilder, Fotos, Skulpturen, Videos und Installationen zu sammeln. Es sollen Arbeiten erworben werden, die ganz aktuell entstehen (Im Einzelfall aus früheren Jahren datieren, jedoch nach 2000). Gesammelt werden Arbeiten von Künstlern, die international tätig sind, aber durch Wohnsitz, Studium, persönliche oder professionelle Verbindungen auch Bezüge zu Düsseldorf bzw. dem Rheinland haben können“.

 

 

Manuel Graf, Qu'est-ce que ce la maturité, 2006 ©Manuel Graf
Manuel Graf, Qu'est-ce que ce la maturité, 2006 ©Manuel Graf

In den ersten drei Jahren des Bestehens dieser Kooperation umfasst die Sammlung Stadtsparkasse im Museum Kunstpalast bereits über 50 Werke, darunter sind mehrere ganze Rauminstallationen, aber auch kleinformatige Arbeiten auf Papier. Der Vereinbarung entsprechend werden regelmäßig Arbeiten aus dem Bestand dieser Dauerleihgaben im Museum präsentiert und mit Publikationen begleitet.

Die erste Ausstellung fand 2008 im Rahmen der Reihe Spot on 01 mit Wolfgang Tillmans statt, der einen Raum mit Fotografien einrichtete, die für die Sammlung Stadtsparkasse angekauft wurden.

Der holländische, in Köln lebende Künstler Erik van Lieshout präsentierte im Spot on 03 2009 seinem Film „Rotterdam – Rostock“ in einem eigens gebauten Container, ergänzt um Zeichnungen, die während der Fahrradtour durch Deutschland entstanden, von der sein Film handelt.

Bernd Ribbeck, Ohne Titel, 2009 © Bernd Ribbeck
Bernd Ribbeck, Ohne Titel, 2009 © Bernd Ribbeck

Die Rauminstallation „C’est-que ce la maturité“ von Manuel Graf bildete den Abschluss der Ausstellung Seitenwechsel im Sommer 2009, mit der eine Auswahl der Museumsbestände vom Mittelalter bis in die Gegenwart in neuem Licht präsentiert wurde.

Die Werkgruppe der Kölner Bildhauerin Alexandra Bircken wurde in der Reihe Spot on im Jahr 2010 gezeigt.

Thomas Schüttes Raum „Mobiliar für ‚One Man Houses‘“ (2005) war die einzige Erwerbung der Sammlung Stadtsparkasse im Jahr 2010, in dem Thomas Schütte auch den Kunstpreis der Stadt Düsseldorf erhielt. Die Arbeit wird einen der Höhepunkte der Neupräsentation 2011 bilden.

Weitere Künstler in der Sammlung Stadtsparkasse verdeutlichen den Anspruch und Umfang des Projektes: Simon Dybbroe Moller, Rosilene Luduvico, Eli Cortiñas, Christopher Williams, Bernd Ribbeck, Julika Rudelius sind mit mehreren bzw. wichtigen Arbeiten vertreten. Die Bandbreite reicht von Fotografen über Maler bis zu Medien- und Installationskünstlern, die vielfach bereits international gefragt sind. So wurden einzelne Werke bereits als Leihgaben in verschiedenen Museen wie dem Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, dem CRAC Alsace in Fribourg oder dem Museum Morsbroich in Leverkusen gezeigt.

Publikationen

Moderne

Die Publikationsliste finden Sie hier als pdf.

Kataloge können unter folgendem Kontakt bestellt werden: petra.hecht(at)smkp.de

Vergriffene Kataloge können Sie in der Bibliothek einsehen.

Moderne Kunst

Auswahl verfügbarer Katalog

Der Fotograf Nic Tenwiggenhorn. Hrsg. von Kay Heymer und Beat Wismer. Texte von Beat Wismer, Kay Heymer und Anne Rodler. Schirmer / Mosel, München 2016

Carl Buchheister. Pionier der Abstraktion Abstrakte Arbeiten von 1923 bis 1934 und von 1948 bis 1963, figurative Arbeiten aus dem 1. und 2. Weltkrieg, aus der Sammlung Kemp im Museum Kunstpalast Düsseldorf. 24.April - 07.August 2016. Text von Kay Heymer. Willi Kemp, Düsseldorf, 2016

Inken Boje – In guter Gesellschaft Düsseldorf, 2015. Text von Kay Heymer (Künstlerbuch, Auflage 60 Exemplare)

Bernard Schultze. Gemälde, Migofs, Zeichnungen, Collagen, Druckgraphiken und illustrierte Bücher aus der Sammlung Kemp im Museum Kunstpalast Düsseldorf. 18.04. - 30.08.2015. Text von Kay Heymer. Willi Kemp, Düsseldorf, 2015

Winfred Gaul. Gemälde, Druckgraphiken und illustrierte Bücher aus der Sammlung Kemp im Museum Kunstpalast Düsseldorf. 19.Oktober 2014- 1.Februar 2015. Text von Kay Heymer. Willi Kemp, Düsseldorf, 2014

Hommage à Karl Otto Götz. Arbeiten aus der Sammlung Kemp anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers im Museum Kunstpalast Düsseldorf vom 23.3. bis 17.8.2014. Text von Kay Heymer. Willi Kemp, Düsseldorf 2014

Klapheck. Bilder und Texte. Hrsg. von Beat Wismer und Kay Heymer. Texte von Beat Wismer, Kay Heymer, Konrad Klapheck und Gunda Luyken. Hirmer Verlag, München 2013

Faszinierende Dokumente. Eine Auswahl aus dem Archiv künstlerischer Fotografie der rheinischen Kunstszene (AFORK) / Fascinating Documents. A Selection from the Archive of Artistic Photography of the Rhineland’s Art Scene (AFORK) Hrsg. vom Museum Kunstpalast, Düsseldorf. Texte von Kay Heymer, Anne Rodler, Natalia Gershevskaya, Sophia Stang und Andrea Horvey. Kehrer Verlag, Heidelberg, 2011

Klaus Mettig. Arbeiten 1976-2010, mit Texten von Hubertus von Amelunxen, Vladimir Gudac, Frank Wagner, Regina Wyrwoll (dt./engl.), DuMont, Köln 2010

Nam June Paik, hrsg. von Susanne Rennert und Sook-Kyung Lee (dt. und engl. Ausgabe), Hatje Cantz, Ostfildern 2010

Publikationen der Reihe Spot on

Eat Art. Museum Kunstpalast, Düsseldorf, 2015 (Spot on). Text von Kay Heymer

Leben mit Kunst. Reiner Ruthenbeck als Dokumentarfotograf Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2013 (Spot on). Text von Kay Heymer

Arnulf Rainer. Museum Kunstpalast, Düsseldorf, 2011 (Spot on 06). Text von Kay Heymer

Markus Vater: Das Metapherproblem. Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2010 (Spot On 05)

Alexandra Bircken. Sammlung Stadtsparkasse Düsseldorf. Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2010 (Spot On 05)

Lichtraum (Hommage à Fontana). Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2009 (Spot On 04)

Erik van Lieshout. Sammlung Stadtsparkasse Düsseldorf. Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2009 (Spot On 03)

Die Würde des Körpers. Bilder und Skulpturen aus der Sammlung Hanck Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2008 (Spot On 02)

Felix Droese: 20 Jahre Haus der Waffenlosigkeit. Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2008 (Spot On 01)

Joseph Beuys: Eurasienstab. Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2008 (Spot On 01)

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