Einleitung Graphische Sammlung

Raffael, Acht sitzende Bischöfe, um 1516
Raffael, eigentlich Raffaello Santi, (Urbino 1483 – 1520 Rom); Acht sitzende Bischöfe, um 1516; Rötel; 26,1 × 31,8 cm Sammlung der Kunstakademie (NRW)

Der berühmte Brücke-Künstler Ernst Ludwig Kirchner bemerkte 1920: „Man muss Handzeichnungen ansehen, wie man den Brief eines vertrauten Freundes liest und auch das beachten, was zwischen den Zeilen steht.“ Die Graphische Sammlung ist ein guter Ort, der Aufforderung Kirchners zu folgen und sich intensiv mit Arbeiten „auf Papier“ auseinander zu setzen. Gegenstand unserer Sammlung sind Handzeichnungen und druckgrafische Blätter, aber auch frühe Handschriften auf Pergament, künstlerische Fotografien und in jüngster Zeit auch Animationen, in denen Hunderte von Zeichnungen „in Bewegung“ geraten. Zeitlich gesehen reichen die Bestände vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Wilhelm von Schadow, Muse der Schauspielkunst, nach 1802
Wilhelm von Schadow; (Berlin 1788-1862 Düsseldorf); Muse der Schauspielkunst, nach 1802; Kreide in Rosé, Gelb und Weiß mit Rötelspuren, auf blauem Papier; 63,5 x 49,5 cm; Sammlung der Kunstakademie (NRW)

Ähnlich wie Kirchner war im 18. Jahrhundert auch der Düsseldorfer Maler Lambert Krahe von der Notwendigkeit des Studiums grafischer Blätter überzeugt. Krahe hatte während eines Italienaufenthaltes eine große Sammlung italienischer Zeichnungen – besonders von in Rom tätigen Barockkünstlern – angelegt, die er zusammen mit später erworbenen Blättern anderer Schulen 1778 unter der Bedingung verkaufte, sie der Düsseldorfer Akademie, deren erster Direktor er nach seiner Rückkehr aus Rom wurde, als Lehr- und Vorbildersammlung weiterhin zur Verfügung zu überlassen. Diese abgeschlossene Sammlung wird heute als Dauerleihgabe der Kunstakademie in der Graphischen Sammlung bewahrt und erforscht. Unter ihren etwa 14.000 Zeichnungen und doppelt so vielen Druckgrafiken befinden sich viele Blätter bedeutender Künstler wie Raffael oder Bernini. Krahe sammelte als Künstler für Künstler und erwarb häufig große Werkkomplexe direkt aus den Ateliers von Zeitgenossen. Im Jahr 1780 gab er ein Stichwerk über seine Sammlung heraus, das diese schon damals über die Grenzen Düsseldorfs hinaus bekannt machte.

Walter Ophey, Parkwege, um 1921-1925
Walter Ophey (Eupen 1882-1930 Düsseldorf), Parkwege, um 1921-1925; Farbkreide; 55 x 45 cm; Geschenk der Witwe 1954

Als 1819 in Düsseldorf die Königlich-Preußische Kunstakademie gegründet wurde, übernahm sie die Krahe’sche Sammlung und erweiterte sie um aktuelle Positionen. Die damals Lehrenden, zu denen u.a. Peter von Cornelius oder Wilhelm von Schadow gehörten, wurden aufgefordert, mindestens ein Blatt pro Jahr der Akademie zu überlassen. Vereinzelt gelangten auch größere Konvolute regionaler Künstler, wie beispielsweise von Theodor Mintrop, in die Akademiesammlung und befinden sich heute in der Stiftung Museum Kunstpalast.

Von Anfang an wurde für die Graphische Sammlung auch behutsam Kunst der Gegenwart erworben, um die Bestände lebendig zu halten. Eine empfindliche Lücke in diesem Bereich hinterließ 1937 die Aktion „entartete Kunst“, bei der die Abteilung 500 Arbeiten verlor. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es, durch die Schenkung hochkarätiger Werke des Expressionismus diesen Sammlungszweig wieder zu einer Stärke zu machen. Den größten „Werkblock“ moderner Kunst bilden etwa 3000 Zeichnungen aus dem Nachlass Walter Opheys, der der Künstlergruppierung „Junges Rheinland“ angehörte und eine besondere Art der Farbkreidezeichnung entwickelte. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind einzelne Positionen wie die von Joseph Beuys, Karl Otto Götz, Gerhard Hoehme, Gotthard Graubner oder Gerhard Richter eng mit Düsseldorf verbunden und mit größeren Werkgruppen vertreten. Die komplette Druckgrafik von Antonio Calderara und Camille Graeser verleiht der Konkreten Kunst innerhalb der Sammlung Gewicht, während die kürzlich erfolgte großzügige Schenkung von Wolfgang Hanck den Bereich der Gegenwartskunst mit markanten Beispielen, darunter kleinere Zeichnungsgruppen von Miriam Cahn, Silvia Bächli oder Susan Turcot, ergänzt. Lag bei den Erwerbungen des 19. Jahrhunderts der Schwerpunkt eindeutig auf der deutschen Kunst, rückten ab 1950 auch wieder internationale Positionen in das Blickfeld der Sammlung. Außerdem rundet ein erlesener Bestand an japanischen Farbholzschnitten seit den 1980er-Jahren die Bestände des 19. Jahrhunderts ab.

Gerhard Richter, Ohne Titel, 1977
Gerhard Richter; (*Dresden 1932); Ohne Titel, 1977; Wasserfarbe auf weißem Papier 20,9 x 14,5 cm

Noch verhältnismäßig jung ist das Bekenntnis des Hauses zur Fotografie. Die seit 2002 im Aufbau befindliche Sammlung setzt zwar auch auf internationale Fotografen wie beispielsweise David Goldblatt, hat aber ihren Schwerpunkt bei der Fotografie in Düsseldorf. Bedeutende Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, die die Künstler dem Museum schenkten, bilden das Zentrum, um das mittlerweile Werkgruppen von Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Ursula Schulz Dornburg (Abb.) und Thomas Struth kreisen.

Mit Hilfe des Museumsvereins konnten immer wieder hervorragende Einzelblätter erworben werden. Obwohl die Bestände der Graphischen Sammlung fest in der Vergangenheit wurzeln, stellt sich die Abteilung bewusst der Gegenwart und folgt mit Interesse neuen Entwicklungen „auf Papier“. (GL)

Highlights

Bestand

In der Graphischen Sammlung der Stiftung Museum Kunstpalast werden etwa 80.000 Blätter verwahrt. Ungefähr die Hälfte davon trug der Düsseldorfer Maler Lambert Krahe im 18. Jahrhundert in Italien als Studiensammlung zusammen. Krahe sammelte als Künstler und erwarb häufig große Werkkomplexe direkt aus den Ateliers seiner Zeitgenossen. Unter den etwa 14.000 Zeichnungen, die er ankaufte, befinden sich annähernd 300 Blatt des römischen Künstlers Carlo Maratta, besonders erwähnenswert darunter ein Kompositionsentwurf für das Altarbild in der Cappella Cybo in Santa Maria del Popolo in Rom. Weitere Einzelstudien zu diesem Auftrag besitzt die Academia de San Fernando in Madrid. Tatsächlich lässt sich immer wieder feststellen, dass die Düsseldorfer Sammlung durch die Bestände bedeutender Kabinette sinnvoll ergänzt werden kann, etwa durch einzelne Arbeiten oder Zeichnungskonvolute in der königlichen Sammlung auf Windsor Castle, im Kabinett zu Madrid oder durch den Bestand des Louvre in Paris. Von Giacinto Calandrucci, einem Schüler Marattas, stellte Krahe eine umfangreiche Auswahl von weit über 900 Zeichnungen zusammen. Nach Deutschland zurückgekehrt, verkaufte er 1778 seine Schätze, setzte allerdings durch, dass sie der Düsseldorfer Akademie, deren erster Direktor er wurde, als Lehr– und Vorbildsammlung zur Verfügung stand. Bereits 1780 hatte Krahe ein Stichwerk über seine Zeichnungen und Graphiken herausgegeben. Dieses machte sie schon damals über die Grenzen Düsseldorfs hinaus bekannt. Krahes abgeschlossene Sammlung mit ihren etwa 14.000 Zeichnungen und doppelt so vielen Druckgraphiken wird heute als Dauerleihgabe der Kunstakademie in der Graphischen Sammlung aufbewahrt und erforscht.

Als 1819 in Düsseldorf die Königlich-Preußische Kunstakademie gegründet wurde, übernahm sie die Krahe’sche Sammlung und erweiterte sie um aktuelle Positionen. Die damals Lehrenden, zu denen u.a. Peter von Cornelius, Wilhelm von Schadow, später Eduard Bendemann, Johann Wilhelm Schirmer oder Caspar Johann Nepomuk Scheuren gehörten, wurden aufgefordert, mindestens ein Blatt pro Jahr der Akademie zu überlassen. Vereinzelt gelangten auch größere Konvolute bzw. zeichnerische Nachlässe regionaler Künstler wie beispielsweise von Theodor Mintrop oder Johann Anton Ramboux in die Akademiesammlung und befinden sich heute in der Stiftung Museum Kunstpalast.

Die Graphische Sammlung als Abteilung geht auf die Gründung der Städtischen Kunstsammlungen im Jahr 1913 zurück. Der Schwerpunkt der nun einsetzenden Ankaufstätigkeit für das Museum lag zunächst auf Handzeichnungen des 19. Jahrhunderts, von denen heute etwa 6000 Blatt im Bestand sind. Zwei Drittel davon stammen von Künstlern, die der Düsseldorfer Malerschule zuzurechnen sind, doch enthält die Sammlung heute Werkgruppen aller wichtigen deutschen Zeichner des 19. Jahrhunderts wie Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus, Friedrich Nerly, Ludwig Richter, Anselm Feuerbach, Adolph von Menzel oder Wilhelm Leibl.

Seit den 1980er-Jahren rundet eine erlesene Sammlung an japanischen Farbholzschnitten die Bestände des 19. Jahrhunderts ab.

Den größten Werkblock moderner Kunst bilden in etwa 3000 Zeichnungen aus dem Nachlass Walter Opheys. Er gehörte der Künstlergruppierung Junges Rheinland an und entwickelte eine besondere Art der Farbkreidezeichnung. Verschiedene Schenkungen ermöglichten den Aufbau einer expressionistischen Sammlung, bedeutend sowohl in ihrer Qualität als auch in ihrem Umfang. Ähnlich großzügig zeigten sich die Söhne Conrad Felixmüllers, die über 560 Holzschnitte, Radierungen und Lithographien – nahezu das gesamte druckgraphische Werk ihres Vaters – dem Museum 1986 schenkten. Eva Pankok überließ bereits 1983 die aus großformatigen Kohlezeichnungen bestehende Folge Die Passion von Otto Pankok als Dauerleihgabe. Einen weiteren Höhepunkt bildet - neben einigen Zeichnungen – auch der umfangreiche Radierzyklus Der Krieg von Otto Dix.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind einzelne Positionen wie die von Joseph Beuys, Karl Otto Götz, Gerhard Hoehme, Gotthard Graubner oder Gerhard Richter eng mit Düsseldorf verbunden und mit größeren Werkgruppen in der Graphischen Sammlung vertreten. Die komplette Druckgraphik von Antonio Calderara und Camille Graeser verleiht der Konkreten Kunst innerhalb der Sammlung Gewicht, während die 2008 erfolgte, großzügige Schenkung von Wolfgang Hanck den Bereich der Gegenwartskunst mit markanten Beispielen, darunter kleineren Zeichnungsgruppen von Georg Baselitz, Miriam Cahn, Marlene Dumas und Rosemarie Trockel ergänzt.

Noch verhältnismäßig jung ist das Bekenntnis des Hauses zur Fotografie. Die seit Mitte der 1990er- Jahre im Aufbau befindliche Sammlung setzt zwar auch auf internationale Fotografen, hat aber ihren Schwerpunkt bei der Fotografie in Düsseldorf. 57 bedeutende Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, die die Künstler dem Museum schenkten, bilden das Zentrum, um das mittlerweile Werkgruppen von Boris Becker, Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Ursula Schulz-Dornburg und Thomas Struth kreisen.

Forschung

Antonio Molinari, „Allegorie der Malerei“, undatiert
Antonio Molinari, „Allegorie der Malerei“, undatiert; Rötel; 26,6 x 20,0 cm; Düsseldorf, Museum Kunstpalast, Kunstakademie (NRW)

In Erfüllung eines humanistisch geprägten Bildungsauftrages und zur Erforschung der zeichnungsspezifischen Besonderheiten sowie der Erhellung sammlungs-relevanter Zusammenhänge wurde die wissenschaftliche Bearbeitung des Bestandes der Graphischen Sammlung und ihrer Leihgaben mit zwei weiteren Schwerpunkten museumsbezogener Arbeit verzahnt: Methodisches Sammeln und notwendiges Bewahren sind seit 1999 und der Überführung des Düsseldorfer Kunstmuseums in eine Public-Private-Partnership mittels eines hierfür entwickelten Masterplans auf die hauseigene Forschung abgestimmt. In der Folge nahm die Graphische Sammlung die vorgesehene systematische Grundlagen-Arbeit am Bestand auf und publizierte zeitnah zahlreich gewonnene Ergebnisse in Form einer „Neuen Reihe“ wissenschaftlicher Bestandskataloge. Für die Öffentlichkeit konnten deshalb in kurzer Zeit umfangreiche Zeichnungs-Konvolute der Künstler P. F. Mola, A. Molinari, G. Lanfranco und G. Baglione gesichtet und erschlossen werden. Die Werkblöcke dieser Künstler repräsentieren einen kleineren Teil der Düsseldorfer Akademie-Sammlung und ihrer etwa 40.000 Objekte, die sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts als international bedeutende Referenz-Sammlung römischer Barockzeichnungen unter dem Dach des neuen Museum Kunstpalast einen Namen gemacht hat.

Für eine fundierte, wissenschaftlich-wertende Zu-und-Abschreibe-Tätigkeit auf hohem Niveau ist nicht nur der Stand der aktuellen Forschung umfassend und nachvollziehbar darzustellen, auch sind stilkritische Vergleiche durchzuführen sowie grundlegende Archiv-Arbeit zu leisten, um vertretbare Ergebnisse bei der Beurteilung der Artefakte vorlegen zu können. Ziel bleibt die Bereicherung der Wissenschaft durch eine systematische Sichtung und Neubewertung des Bestandes und der dadurch gewonnenen Werkzusammenhänge. Am Anfang der wissenschaftlichen Bearbeitung, insbesondere der Skizzen, Zeichnungen und Entwürfe, steht der Austausch der hierfür verantwortlichen Kuratoren und der Spezialisten: Fachdebatten im eigenen Studiensaal oder dem kooperierender Häuser festigen vorhandenes Wissen; weiterführende, themen-spezifisch organisierte Symposien beflügeln den Fortgang des anstehenden Projektes – können aber als kleine Foren des Wissenschaftsbetriebs kaum das leisten, was durch große Gelehrten-Bibliotheken mit ihren Beständen an einschlägiger Literatur ermöglicht wird.

Giovanni Baglione, Jael und Sisera
Giovanni Baglione; (Rom um 1570 – 1643 Rom); Jael und Sisera, Rötel, Feder in Braun, graubraun laviert, 25,7 x 18,7 cm; Düsseldorf, Museum Kunstpalast, Sammlung der Kunstakademie (NRW)

Die italienischen Zeichnungen des 15. und 16. Jahrhunderts aus der Sammlung der Kunstakademie im Museum Kunstpalast

Dem Forschungs-Schwerpunkt der Graphischen Sammlung und deren Masterplan folgend, wurden deshalb die langjährig gepflegten Kontakte zu den renommierten Spezialbibliotheken und Forschungsinstituten der Max-Planck-Institute für Kunstgeschichte intensiviert. Während die vergleichende Arbeit vor den Originalen auch im Studiensaal des Gabinetto Disegni e Stampe der Uffizien in Florenz. erfolgt. Der in der Graphischen Sammlung für die Akademie-Sammlung verantwortlichen Kuratorin der Stiftung Museum Kunstpalast wurden von der Bibliotheca Hertziana, Rom und dem Kunsthistorischen Institut in Florenz jeweils projektbezogene Arbeitsmittel und Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Auch erfuhr die für die Akademie-Sammlung verantwortliche Wissenschaftlerin vom Hause regelmäßig finanzielle Unterstützung durch Stipendien, oder es wurde ihr ein Arbeitsaufenthalt im Range einer Gastwissenschaftlerin gewährt. Unterstützung erfährt die Grundlagen-Forschung der Graphischen Sammlung durch die Archive der Stiftung Museum Kunstpalast, so das Dokumentationszentrum der Düsseldorfer Malerschule, das digitale Cranach-Archiv und das Archiv der Zero-Foundation.

An dieser hauseigenen Grundlagen-Forschung partizipieren auch Universitäten des Landes, so das Kunsthistorische Seminar der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und das Kunsthistorische Institut der Universität zu Köln: Im Rahmen ihrer Studiengänge werden regelmäßig Seminare vor den Originalen im Studiensaal der Graphischen Sammlung angeboten.

 

 

Sammler

Johann Gerhard Huck; 1759–1811; nach Joseph Fratrel; Épinal 1730–1783 Mannheim; Portrait Lambert Krahe, 1806; Schabkunst; Düsseldorf, Museum Kunstpalast, Graphische Sammlung
Johann Gerhard Huck; 1759–1811; nach Joseph Fratrel; Épinal 1730–1783 Mannheim; Portrait Lambert Krahe, 1806; Schabkunst; Düsseldorf, Museum Kunstpalast, Graphische Sammlung

Lambert Krahe und die Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf

Aus einfachen Verhältnissen stammend, bot sich dem Düsseldorfer Künstler Lambert Krahe (Düsseldorf 1712 – 1790 Düsseldorf)im Jahre 1736 die unerwartete Gelegenheit, dem Grafen von Plettenberg auf der Reise nach Rom zu folgen. Nach dem plötzlichen Tod des Gönners blieb Krahe in der Ewigen Stadt – trotz anfänglich schwieriger Umstände. Während seines annähernd zwanzigjährigen Aufenthaltes in Rom trat er neben seiner Tätigkeit als Künstler auch als Kunstagent auf – so für den Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz. In diesen 1740/50er Jahren konnte Krahe seine eigene umfangreiche Sammlung überwiegend römischer Barockzeichnungen aufbauen. Die Handzeichnungen, druckgraphischen Blätter, Ölstudien und Bücher gingen später in den Bestand der Düsseldorfer Kunstakademie über, deren Gründungsdirektor Krahe war. Um Werke des 19. Jahrhunderts ergänzt, wird die Sammlung seit 1932 am heutigen Museum Kunstpalast als Dauerleihgabe bewahrt.

Laurenz Heinrich Hetjens

Die Person Laurenz Heinrich Hetjens (Düsseldorf 1830–1906 Aachen) verbindet sich in Düsseldorf vor allem mit dem hier ansässigen Keramik-Museum gleichen Namens. Der durch Heirat vermögend gewordene Hetjens konnte sich fortan ganz der Sammeltätigkeit widmen: So erwarb der spätere Stifter im Laufe seines Lebens auch ein exquisites Konvolut druckgraphischer Blätter und Zeichnungen. Nach der Aufteilung seiner Bestände an die Düsseldorfer Museen im Jahre 1928 gingen die Arbeiten auf Papier an die Graphische Sammlung des heutigen Museum Kunstpalast. Aus seiner Sammlung stammt das Portrait des 16-jährigen Hetjens (Abb.), welches sein Vetter, Heinrich Kipp, schuf. Kipp, der an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert hatte und kurzzeitig dort als Lehrer tätig war, brachte den jungen Hetjens vermutlich mit der Kunst in Berührung, bevor er selbst nach Paris übersiedelte.

Heinrich Kipp; Wetzlar 1826, Todesjahr und -ort unbekannt; Portrait von Laurenz Heinrich Hetjens im Alter von 16 Jahren, 1846; Technik; Düsseldorf, Museum Kunstpalast, Graphische Sammlung
Heinrich Kipp; Wetzlar 1826, Todesjahr und -ort unbekannt; Portrait von Laurenz Heinrich Hetjens im Alter von 16 Jahren, 1846; Technik; Düsseldorf, Museum Kunstpalast, Graphische Sammlung

Die Sammlung Hanck

1939 in Düsseldorf geborene, erhielt Wolfgang Hanck nach einem Theologiestudium in Bonn, Freiburg und Köln 1965 die Priesterweihe. Zunächst als Kaplan und Rektor tätig, wurde er 1986 Pfarrer von Christ-König und zusätzlich ab 1994 von Heilig Geist in Neuss. 1988 begann er, eine Sammlung zeitgenössischer Arbeiten auf Papier aufzubauen, die inzwischen über 1.800 Werke von knapp 400 Künstlern umfasst. Eine Erbschaft ermöglichte es Hanck, die Sammlung 2003 durch plastische Arbeiten und Malerei zur ergänzen. Im Oktober 2008 gingen die Arbeiten als Schenkung an das Museum Kunstpalast über.

Die Sammlung Hanck ist durch eine thematische Vielfalt gekennzeichnet und bietet einen breit gefächerten Überblick zur Zeichnung der 1980er- und 1990er-Jahre. Oftmals Künstler am Anfang ihres Schaffens unterstützend, legte Hanck Wert darauf, entweder mehrere, über die Jahre entstandene Arbeiten eines Künstlers oder aber komplette Serien zu kaufen. Dabei hat sich Pfarrer Hanck nicht etwa auf religiöse Inhalte konzentriert, sondern hat vielfach Werke mit schwierigen weltlichen Themen oder herausragenden formalen Lösungen erstanden: „Einen sinnlichen Reiz müssen die Werke haben. […] Besonders mag ich Bilder, die etwas Existenzielles ausdrücken - was vielleicht auch mit meinem Beruf zusammenhängt."

Publikationen

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Vergriffene Kataloge können Sie in der Bibliothek einsehen.

Samurai, Bühnenstars und schöne Frauen. Japanische Farbholzschnitte von Kunisada und Kuniyoshi
Samurai, Bühnenstars und schöne Frauen. Japanische Farbholzschnitte von Kunisada und Kuniyoshi
Mack. Die Sprache meiner Hand
Mack. Die Sprache meiner Hand
Auf Papier. Von Raffael bis Beuys, von Rembrandt bis Trockel
Auf Papier. Von Raffael bis Beuys, von Rembrandt bis Trockel
 

Auswahl verfügbarer Kataloge

Samurai, Bühnenstars und schöne Frauen. Japanische Farbholzschnitte von Kunisada und Kuniyoshi
hrsg. Museum Kunstpalast Düsseldorf, Gunda Luyken und Beat Wismer, bearbeitet von Bernd Jesse, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2011

Mack. Die Sprache meiner Hand
hrsg. von Gunda Luyken und Beat Wismer, Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf, (Ausstellungskatalog, dt./engl.), Hatje Cantz, Ostfildern 2011

Auf Papier. Von Raffael bis Beuys, von Rembrandt bis Trockel
Die schönsten Zeichnungen aus dem museum kunst palast, Ein Bildhandbuch / a visual handbook, hrsg. von Sonja Brink, Silvia Carmellini, Kay Heymer, Beat Wismer (Ausstellungs- und Bestandskatalog, dt./engl.), Kerber, Bielefeld 2009

In una maniera propria: Die Zeichnungen des Giovanni Baglione aus der Sammlung der Kunstakademie im museum kunst palast Düsseldorf
bearb. von Sonja Brink, Geleitw. Walter J. Hofmann. Vorw. Beat Wismer, Deutscher Kunstverlag München, Berlin 2008

Jörg Immendorff: Zeichne. Arbeiten aus seinem Archiv | Draw. Works from his Archive
mit einem Essay von Christoph Danelzik-Brüggemann (dt./engl.), Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2008

Jörg Sasse: d8207
hrsg. Christoph Danelzik-Brüggemann, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2007, (dt./engl.)

Dello stile naturale. Die Zeichnungen des Giovanni Lanfranco
hrsg. von Museum Kunstpalast, Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf, bearbeitet von Erich Schleier, Düsseldorf 2006

Genio vigoroso ed originale. Die Zeichnungen des Antonio Molinari
hrsg. von Museum Kunstpalast, Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf, bearb. von Sonja Brink, 2005

Disegnatore virtuoso. Die Zeichnungen des Pier Francesco Mola und seines Kreises
hrsg. von Museum Kunstpalast, Sammlung der Kunstakademie Düsseldorf, bearb. von Sonja Brink, Wienand, Köln 2002

Ruhm der Könige und Künstler.
Druckgraphik der Schule von Fontainebleau aus dem Kunstmuseum Düsseldorf - Sammlung Kunstakademie, bearb. v. Sonja Brink, 1997

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