Kunstwerk des Monats

Jeden Monat wird ein Werk aus der Sammlung des Museum Kunstpalast von den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses und in regelmäßigem Wechsel zwischen den Abteilungen präsentiert. Nicht nur die Kurzführung im Rahmen der KUNSTPAUSE, sondern auch ein wissenschaftlicher Essay eröffnen neue Sichtweisen auf das betreffende Kunstwerk. 

Vergangene Kunstwerke des Monats finden Sie im Archiv.

Kunstpause

Machen Sie eine Mittagspause der besonderen Art: Das Museum Kunstpalast bietet jeden ersten Mittwoch und Donnerstag im Monat um 12.30 Uhr eine Kurzführung zum KUNSTWERK DES MONATS.

In der Regel jeden ersten Mittwoch und Donnerstag im Monat, 12.30-12.50 Uhr

Treffpunkt: Thorn-Prikker-Foyer (Sammlungsflügel)
Gebühr: 3 Euro

Ferdinand Fagerlin (1825 – 1907), Bildnis des Zeno Oreno von Guadeloupe, 1854

Ferdinand Fagerlin (1825 – 1907), Bildnis des Zeno Oreno von Guadeloupe, 1854 
Öl auf Leinwand, auf Sperrholz,  49,7 x 39,7 cm (Lw.), Museum Kunstpalast, Inv.- Nr. M 2017-1, Foto: Kunsthandel Oosterhout, Den Haag
Ferdinand Fagerlin (1825 – 1907), Bildnis des Zeno Oreno von Guadeloupe, 1854
Öl auf Leinwand, auf Sperrholz, 49,7 x 39,7 cm (Lw.), Museum Kunstpalast, Inv.- Nr. M 2017-1, Foto: Kunsthandel Oosterhout, Den Haag
Eduard Bendemann, Bildnis des Zeno Oreno, Aquarell, MKP, Dokumetationszentrum Düss. Malerschule (DDM)
Eduard Bendemann, Bildnis des Zeno Oreno, Aquarell, MKP, Dokumetationszentrum Düss. Malerschule (DDM)

Mitte des 19. Jahrhunderts tauchten farbige Menschen im Düsseldorfer Stadtbild eher selten auf. Der von den französischen Antillen stammende Zeno Oreno bereiste in den 1850er-Jahren Deutschland und besuchte dabei auch Düsseldorf. Die neu erworbene Bildnisstudie, die Ferdinand Fagerlin 1854 malte, ein Jahr nachdem er von Stockholm kommend sein Studium bei Carl Ferdinand Sohn an der Kunstakademie Düsseldorf aufgenommen hatte, ist ein Beleg für Orenos Kontakte zur hiesigen Malerschule. Fagerlin, der sich nach der Heirat mit der Künstlertochter Alice Ritter 1858 endgültig in Düsseldorf niederließ, zählte bald zu den führenden Vertretern der schwedischen Künstlerkolonie innerhalb der Düsseldorfer Malerschule. Er übernahm nicht nur das Atelier seines verstorbenen Schwiegervaters Henry Ritter, sondern auch dessen Motivkanon humoriger Genreszenen. Der junge Künstler ritzte in die noch frische Farbe seiner Bildnisstudie das für ihn typische Monogramm „F. Fn“ und fügte hinzu: „Zeno Oreno / f. Gouadiloupe“. Weiter oben rechts vermerkte er das genaue Datum der Entstehung: „d[en] 10 Feb. [18]54“.

Was führte den Bewohner einer tausende von Seemeilen entfernten Karibikinsel nach Düsseldorf? Kam er als freier Bürger, oder war er unter unwürdigen Bedingungen unterwegs? Zur Beantwortung dieser Fragen sollte man sich zunächst die wechselhafte und leidvolle Geschichte Guadeloupes vor Augen führen. Nach mehr als 150-jähriger Ausbeutung, Deportation und Versklavung der Bewohner durch die französischen Kolonialherren wurde während der Französischen Revolution endlich auch in ihren Kolonien die Sklaverei aufgehoben. Dies war jedoch nicht von Dauer, denn schon 1802 führte Napoleon die Sklaverei gegen den erbitterten Widerstand der Bevölkerung wieder ein. Im Pingpong der Mächte wurde Guadeloupe 1810 von Großbritannien rückerobert, 1813 an den schwedischen König Karl XIII. abgegeben und im Frieden von Paris gegen Zahlung einer alljährlichen Geldrente, der sogen. Guadeloupe-Rente, wieder an Frankreich abgetreten. Die Sklaverei blieb, trotz erheblicher Unruhen, bis zur Revolution von 1848 bestehen. Rein rechtlich hatte die schwarze Bevölkerung nun zwar Bewegungsfreiheit, in Wirklichkeit aber herrschte in Europa noch lange die entwürdigende Praxis, Menschen dieser und anderer fremder Kulturkreise als „Schauobjekte“ auf Jahrmärkten vorzuführen.

Vieles spricht allerdings dafür, dass Zeno Oreno als freier Bürger nach Düsseldorf kam und auch den Süden Deutschlands bereiste. Denn laut „Fremden-Anzeiger vom 17. bis 18. October 1852“ wurde Oreno beispielsweise in Coburg im Gasthof Traube registriert, keineswegs zugleich eingetragen mit Gästen fremder Kulturen, die auf eine besagte „Schautruppe“ hinweisen würden. Ohnehin dürfte diese arme Truppe kaum so komfortabel logiert haben, sondern wäre allenfalls in Zelten untergebracht gewesen. Dass Oreno jedoch mehrfach auch von anderen Künstlern wie z. B. von Eduard Bendemann (1811–1889), dem späteren Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie, dargestellt wurde, könnte bedeuten, dass er sich als Modell Geld verdiente. Des Weiteren ist schriftlich überliefert, dass der Hamburger Bildnismaler Johann Günther Gensler (1803–1884) eine Ölskizze von Zeno Oreno im Alter von 40 Jahren schuf. Durch die Bezeichnung „Zeno Oreno aet. 40 Dec. 52 G.G.“ wissen wir, dass Fagerlins zwei Jahre später entstandenes Bildnis Zeno etwa im Alter von 42 Jahren wiedergibt.

Der selbstbewusste Gesichtsausdruck des Dargestellten, seine bürgerliche Kleidung und die wirklichkeitsgetreue Charakterisierung deuten jedoch eher darauf hin, dass es sich um ein vollgültiges Porträt und nicht um eine beliebige Modellstudie eines Farbigen handelt. Fagerlin ging es offensichtlich um ein individuelles Charakterporträt und nicht um das Erfassen eines Typus, schon gar nicht im Sinne des Bildhauers Eduard Schmidt von der Launitz (1797–1869), eines Schülers von Bertel Thorvaldsen, der eine Terrakottabüste von Zeno schuf, die er laut seinem Briefwechsel als Teil einer Serie von sogen. „Rassenbüsten“ zusammen mit Köpfen von Menschen indianischer oder chinesischer Herkunft herstellte (Gipsabguss, Vrolik Museum, Amsterdam). Dagegen bedient Fagerlins charaktervolle Bildnisstudie keinesfalls das bis dahin immer noch übliche Klischee eines dienenden „Mohren“, sondern er erfasste das Bild eines freien Bürgers, der Selbstbewusstsein und Würde ausstrahlt.

Dr. Bettina Baumgärtel

Die Kunstwerke aus den Vormonaten finden Sie im Archiv veröffentlicht.

Lade Ergebnisse ...
Lade Ergebnisse ...