Einführung

„Diagonale“; Entwurf Stanislav Libenský, Ausführung Jaroslava Brychtová, Zelezný Brod, Tschechoslowakei, 1989; Blauviolettes Glas, formgeschmolzen, geschliffen; 75 x 70 cm; Foto: Stefan Arendt, LVR, 2011
„Diagonale“; Entwurf Stanislav Libenský, Ausführung Jaroslava Brychtová, Zelezný Brod, Tschechoslowakei, 1989; Blauviolettes Glas, formgeschmolzen, geschliffen; 75 x 70 cm; Foto: Stefan Arendt, LVR, 2011

3500 Jahre Glaskunst, permanent ausgestellt mit über 3000 Glaskunstwerken auf 1200 Quadratmetern – schon die Zahlen belegen den Rang des Glasmuseum Hentrich. Zusammen mit den großen Museen in Corning, London und Prag ist das Glasmuseum Hentrich eine der bedeutendsten Glassammlungen der Welt.

Erlesene Objekte vom altägyptischen Ohrschmuck bis zu den Werken zeitgenössischer Glaskünstler, Namen wie Emile Gallé, Louis C. Tiffany, René Lalique, Stanislav Libenský und Dale Chihuly – kurz, herausragende Spitzenwerke aus fast allen glaskünstlerischen Epochen und Regionen sind im Glasmuseum Hentrich vertreten. Als Spezialsammlung, wie es sie nur an wenigen anderen Orten der Welt gibt, ist sie eingebettet in die vielfältigen Bestände des Museum Kunstpalast.

Ohrschmuck; Ägypten, 18./19. Dynastie, Mitte 14. – Mitte 13. Jh. v. Chr.; Inv. Nr. 17025; Foto: LVR-Zentrum für Medien und Bildung; Stefan Arendt, 2011
Ohrschmuck; Ägypten, 18./19. Dynastie, Mitte 14. – Mitte 13. Jh. v. Chr.; Inv. Nr. 17025; Foto: LVR-Zentrum für Medien und Bildung; Stefan Arendt, 2011

Geschichte

Das Glasmuseum Hentrich hat seine Wurzeln in der Mustersammlung des Kunstgewerbemuseums, das von 1883 bis 1927 in Düsseldorf bestand. Die dort gesammelten Gläser gelangten 1927 an das Kunstmuseum der Stadt Düsseldorf. Mit den Ankäufen der Sammlungen Lückger und Jantzen in den 30er- und 40er-Jahren gewann das Glas gegenüber dem übrigen Kunsthandwerk im Museum ein eigenständiges Profil. Seit 1961 übertrug der Düsseldorfer Architekt Prof. Dr. Helmut Hentrich (1905–2001) seine herausragende Sammlung an orientalischen und Jugendstilgläsern in jährlichen Schenkungen an das Kunstmuseum. Ihm zu Ehren wurde die Glassammlung des Kunstmuseums 1990 in „Glasmuseum Hentrich“ umbenannt. Seinem testamentarischen Wunsch folgend erfuhr die Ausstellungsfläche des Glasmuseums eine stattliche, durch das Schweizer Architekturbüro Steiner Sarnen gestaltete Erweiterung, die dem Publikum 2006 eröffnet werden konnte.

Vase; Emile Gallé; Nancy, um 1898-1900; Schenkung Hentrich; Foto: LVR-Zentrum für Medien und Bildung; Stefan Arendt, 2011
Vase; Emile Gallé; Nancy, um 1898-1900; Schenkung Hentrich; Foto: LVR-Zentrum für Medien und Bildung; Stefan Arendt, 2011

Präsentation

Im Zentrum des Glasmuseum Hentrich steht das in leuchtendem Rot gehaltene Schatzhaus. Hier führt ein Rundgang über drei Etagen an den Meisterwerken entlang durch die gesamte Geschichte der Glaskunst. Die Epochen sind in einer Raumabfolge farblich voneinander abgesetzt.

Neben dem Schatzhaus ist der erste Blickfang für die Besucher die Skulpturengalerie, die eine Auswahl größerer, moderner Arbeiten präsentiert. Ein an die Skulpturen angrenzender Bereich ist den Mäzenen gewidmet, die mit ihren großzügigen Schenkungen dem Museum zu seiner heutigen Bedeutung verholfen haben. In einer Studiengalerie im Untergeschoss befinden sich weitere 2000 Objekte aus dem Bestand, nach Techniken und anderen Themen gegliedert. Die Glassammlung verfügt darüber hinaus über eine Video Lounge, eine Ausstellung von Werkzeugen und Gläsern zum Anfassen und vor allem über ein eigenes Kabinett für Wechselausstellungen.

Walzenkrug; Brandenburg, Potsdam; Glasschnitt Gottfried Spiller oder Umkreis, Berlin, Anfang 18. Jahrhundert; Ehemals Sammlung Jantzen, Bremen; Inv. Nr. P 1940-135; Foto: Studio Fuis, Köln
Walzenkrug; Brandenburg, Potsdam; Glasschnitt Gottfried Spiller oder Umkreis, Berlin, Anfang 18. Jahrhundert; Ehemals Sammlung Jantzen, Bremen; Inv. Nr. P 1940-135; Foto: Studio Fuis, Köln

Schwerpunkte

Der umfassende Überblick zur Geschichte der Glaskunst wird im Glasmuseum Hentrich unterstützt und ergänzt durch besondere Schwerpunkte. Fast immer stehen dahinter die Namen ausgezeichneter Sammlungen oder Schenkungen.

  • Antike
    Glas der Römerzeit, meistenteils aus Werkstätten des Nahen Ostens.

  • Islam
    Der Nahe Osten von der Spätantike (Sassaniden-Dynastie) bis um 1400.

  • Mittelalter
    Die Sammlung an Gebrauchs- und Luxusgläsern aus dem Mittelalter, von der Merowingerzeit bis zur Renaissance, gehört zu den besten der Welt.

  • Renaissance bis 19. Jahrhundert
    Spitzenwerke der europäischen Glaskunst: die Renaissancezeit in Venedig; der barocke Glasschnitt und das Goldrubinglas in Mitteleuropa, u.a. mit Werken von Hans Wolfgang Schmidt, Johann Schaper, Friedrich Winter, Gottfried Spiller und Georg Ernst Kunckel; das Biedermeier etwa mit Arbeiten von Johann Josef Mildner, Samuel Mohn, Anton Kothgasser und Dominik Biemann; der Historismus mit Namen wie Vincenzo Moretti, Giuseppe Barovier, C.H.F. Müller in Hamburg, Rheinische Glashütten AG in Köln und J&L Lobmeyr in Wien.

  • Jugendstil
    Der Jugendstil von den 1880er Jahren bis um 1904 ist der besondere Schwerpunkt im Glasmuseum Hentrich: Werke des französischen Art Nouveau, allen voran Emile Gallé in Nancy, sowie Daum Frères in Nancy, François Eugène Rousseau in Paris und Burgun, Schverer & Co. in Meisenthal. Große Bestände an Werken von Louis Comfort Tiffany, New York, und von Johann Lötz Witwe, Böhmen. Weitere Namen: Meyr’s Neffe, Karl Koepping, Peter Behrens, Poschinger, Theresienthal, Fritz Heckert und die Josephinenhütte.

  • 1920–1960
    Namhafter Bestand an Gläsern des Art Déco von Maurice Marinot; der Aufbruch in der Glaskunst seit den 1920er Jahren in Murano, den Niederlanden, sowie Skandinavien, vor allem in Schweden und Finnland.

  • Studioglas
    Der freie künstlerische Umgang mit Glas, mit einem Bestand an ca. 600 Arbeiten sehr umfassend. Besondere Schwerpunkte: Arbeiten von Erwin Eisch; Werke von Künstlern der Tschechoslowakei (heute die Tschechische und die Slowakische Republik), darunter Jiři Harcuba, René Roubiček, Václav Cigler, Ivan Mareš, Stanislav Libenský und Jaroslava Brychtová, sowie der Niederlande: Andries Dirk Copier, Floris Meydam, Willem Heesen, Mieke Groot und weitere.

  • Glasdesign
    Dokumentation des europäischen Glasdesigns seit dem Zweiten Weltkrieg. Produktion und Archiv der Wiesenthalhütte, Schwäbisch Gmünd. Wegbereitende Erzeugnisse der niederländischen Glasfabrik Leerdam. Deutsche Mundblashütten wie Süßmuth, Gralglas, Rosenthal und die WMF mit den Entwürfen von Wilhelm Wagenfeld. Ein umfangreiches Künstler- und Firmenarchiv.
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