SPOT ON 08

19.04.2012 – 12.08.2012

SPOT  ON  ist der Titel einer Ausstellungsreihe im Museum Kunstpalast, bei der im halbjährlichen Rhythmus in unterschiedlich inszenierten Projekträumen Werke oder auch Werkgruppen gezeigt werden, die es neu oder wieder zu entdecken gilt: zum Beispiel Neuerwerbungen für die Sammlung, aktuelle Forschungsergebnisse oder auch Restaurierungserfolge.

Feuerbachs Iphigenien vereint

Anselm Feuerbach, Iphigenie, 1862, Öl auf Leinwand, 249 x 174 cm, Hessisches Landesmuseum Darmstadt; Foto: Wolfgang Fuhrmannek (HLMD)
Anselm Feuerbach, Iphigenie, 1862, Öl auf Leinwand, 249 x 174 cm, Hessisches Landesmuseum Darmstadt; Foto: Wolfgang Fuhrmannek (HLMD)

Vom 19.04.-12.08.2012 sind in zwei Projekträumen Ausstellungen zu sehen. In der Schau „„… das Land der Griechen mit der Seele suchend“:  FEUERBACHS IPHIGENIEN VEREINT“ werden Anselm Feuerbachs (1829-1880) drei Fassungen der „Iphigenie“, dank der Leihgaben aus der Staatsgalerie Stuttgart, dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt und der Düsseldorfer Version miteinander vereint. Düsseldorf bildet somit nach Stuttgart (2009) und vor Darmstadt (2013) die zweite Station dieser außergewöhnlichen Begegnung.

Das Thema der vor dem Opfertod geretteten, aber von diesem Zeitpunkt an in die Fremde verbannten Königstochter beschäftigte Feuerbach mehrere Jahre. Inspiriert durch Iphigenies Worte „Und am Ufer steh‘ ich lange Tage, das Land der Griechen mit der Seele suchend“, aus Goethes Schauspiel ‚Iphigenie auf Tauris‘, fertigte der Künstler auf der Suche nach der idealen Darstellung 1862, 1871 und 1875 drei  unterschiedliche Fassungen des Motivs an.  Als erster Künstler konzentrierte er sich dabei auf die monumentale Einzelfigur der Iphigenie, die den Blick über das Meer in die Ferne gerichtet hat und schuf auf diese Weise eine Allegorie der Sehnsucht.

Anselm Feuerbach, Am Meer (Moderne Iphigenie), 1875, Öl auf Leinwand, 197 x 113,5 cm, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Gemäldegalerie
Anselm Feuerbach, Am Meer (Moderne Iphigenie), 1875, Öl auf Leinwand, 197 x 113,5 cm, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Gemäldegalerie

Die drei Gemälde zählen zu seinen Hauptwerken. Sie zeigen in ihrer plastischen Körperlichkeit und der sich von Werk zu Werk reduzierteren Farbigkeit Feuerbachs Entwicklung in seiner römischen Zeit, als er unter dem Einfluss der antiken Skulpturen und der Malerei Michelangelos zu seiner neuen Figurenauffassung gelangte.

Neben den kunsthistorischen Eindrücken waren vor allem die beiden römischen Modelle, Anna Risi und Lucia Brunacci, wichtige Inspirationsquellen für Feuerbachs Iphigenien. In eigens für sie geschneiderten Gewändern ließ er sie stundenlang posieren, um die perfekte Haltung zu finden. Sein Ziel war es, das klassische Ideal durch die Arbeit mit dem Modell mit Leben zu füllen.

Während bei der ersten Fassung (Darmstadt) der Eindruck melancholischer Versunkenheit überwiegt, drückt die Stuttgarter Iphigenie das Sehnen nach der fernen Heimat mit dem gesamten Körper aus. Mit der stehenden Iphigenie des Düsseldorfer Gemäldes von 1875 kommt Feuerbach schließlich der Textvorlage Goethes am nächsten.

Neben den drei großen Fassungen ist in der Ausstellung eine intime Kopfstudie Lucias Brunaccis aus dem Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten in Winterthur zu sehen, die in Vorbereitung der Stuttgarter Iphigenie entstand. In einer begleitenden Publikation wird Feuerbachs künstlerische Prägung und seine Vorbilder sowie die Entstehung der Werke beleuchtet. Die Ausstellung wird kuratiert von Nicole Roth.

Förderer

Die Ausstellung und Publikation  „„… das Land der Griechen mit der Seele suchend“:  FEUERBACHS IPHIGENIEN VEREINT“ werden großzügig unterstützt durch die Deutsch-Schweizerische Wirtschaftsvereinigung zu Düsseldorf e.V.

 

 

Gold & Farbe

Samuel Mohn (1761–1815), Deckelbecher, Leipzig 1808. Museum Kunstpalast, Glasmuseum Hentrich, Foto: Stefan Arendt, LVR-Zentrum für Medien und Bildung
Samuel Mohn (1761–1815), Deckelbecher, Leipzig 1808. Museum Kunstpalast, Glasmuseum Hentrich, Foto: Stefan Arendt, LVR-Zentrum für Medien und Bildung

Transparent bemaltes Biedermeierglas

Die Schau im Glasmuseum Hentrich präsentiert 49 transparent bemalte Gläser der Biedermeierzeit aus Privatsammlungen und aus Museumsbestand.

Das Biedermeier ist ein Lebensgefühl, das häufig mit behaglicher Beschränktheit assoziiert wird.  Doch war die Periode von 1815 bis in die 1840er Jahre in Politik, Kunst, Wissenschaft, Industrie und Handel vielmehr von einer Aufbruchstimmung beherrscht, nachdem die Französische Revolution und in der Folge Napoleon und die verheerenden Napoleonischen Kriege die Grundfeste der hergebrachten Gesellschaftsordnung erschüttert hatten. Klassizismus, Empire, Weimarer Klassik, Sturm und Drang, Romantik und beginnender Realismus – alle diese Stilarten spiegelten sich auch in den Motiven der Glaskunst wider.

Anton Kothgasser, Wien, Die junge Hexe fliegt auf ihrem Besenstiel über Wien
Anton Kothgasser, Wien, Die junge Hexe fliegt auf ihrem Besenstiel über Wien

Zwei Namen sind mit den transparent bemalten Gläsern der Biedermeierzeit auf ewig verbunden: Mohn und Kothgasser. Da Samuel Mohn (1762–1815), seine Söhne und seine Mitarbeiter in den Werkstätten in Leipzig, Dresden, Wien und Berlin ihre Bilder bezeichneten, signierten, datierten und teilweise mit Ortsangaben versahen, wissen wir über deren jeweilige Tätigkeit, Motiv- und Farbpalette gut Bescheid. Bei dem besten Goldmaler der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur in Wien, Anton Kothgasser (1769–1851) und bei dessen Kollegen ist dem nicht so. Dennoch  hat sich der Begriff „Kothgassergläser“ als Qualitätsmerkmal und Gattungsbegriff für bestimmte Arbeiten eingebürgert, die nicht unbedingt von Kothgasser selbst stammen müssen.

Die Ausstellung zeigt an exemplarischen Werken die Anfänge und den alsbaldigen Höhepunkt dieser technisch so schwierigen Miniaturkunst mit ihrer Vielzahl von Motiven in sorgfältig abgestimmten, lebhaften Farben. Sie reichen von Glückwünschen zum Geburtstag oder zum Neuen Jahr, heimlichen Botschaften zwischen Liebenden durch die Blumensprache, bis hin zu Rätseln (Rebus, Akrostichon, Trompe-l‘Œil), sie zeigen schwarze Silhouetten und farbige Portraits, religiöse und mythologische Darstellungen, die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten der Städte aber auch Schlachten und Zerstörungsszenen.

Sonderanfertigungen schließlich erinnern an ein Gartenfest oder ein Privathaus und widmen sich tagesaktuellen Ereignissen wie der Hochzeit einer Erzherzogin mit dem Kronprinzen von Brasilien. Zwischen allem schweben Musen und Putti, auch eine junge Hexe fliegt auf ihrem Besen vorüber. Diese Preziosen wurden vom internationalen Hochadel während des Wiener Kongresses 1814/15 und danach gesammelt und in alle Welt getragen und über Generationen von Kunstkennern liebevoll weitergereicht.

Diese Ausstellung wird kuratiert von Paul von Lichtenberg und begleitet von der Publikation.

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