El Greco und die Moderne

El Greco, Die unbefleckte Empfängnis, 1607-1613, Öl auf Leinwand, 108 x 82 cm, © Museo Thyssen-Bornemisza. Madrid
El Greco, Die unbefleckte Empfängnis, 1607-1613, Öl auf Leinwand, 108 x 82 cm, © Museo Thyssen-Bornemisza. Madrid

28.04. - 12.08.2012

Das Aufsehen erregende Werk El Grecos (1541-1614) wurde erst um 1910 durch das Tagebuch Spanische Reise von Julius Meier-Graefe einem breiteren deutschsprachigen Publikum bekannt.  Die Schau EL GRECO UND DIE MODERNE rückt zum ersten Mal in Deutschland diesen Maler ins Zentrum der Betrachtung. Untersucht wird auch die Begeisterung vieler Künstler, die um 1912 erstmals in Düsseldorf einer größeren Werkgruppe El Grecos begegneten und so ein wahres El Greco-Fieber entfachten. Maler wie Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Max Oppenheimer oder Ludwig Meidner, vor allem aber auch die Vertreter des Blauen Reiter, August Macke, Franz Marc, Albert Bloch und andere, erkannten im Alten Meister eine der Vaterfiguren der Moderne: sie nannten ihn in einem Atemzug mit Cézanne. Beat Wismer: „Mit seinen psychologisierenden Kompositionen wurde El Greco für die Avantgardekünstler zu einer Schlüsselfigur in ihrem Bestreben, das In-die-Welt-Geworfen-Sein des modernen Menschen darzustellen.“

El Greco wird in einer Auswahl von rund 40 Werken aus wichtigen europäischen und amerikanischen Museen vorgestellt. Gleichzeitig wird sein Oeuvre 100 Jahre nach der ersten Begegnung rund 100 Werken von Künstlern gegenübergestellt, die sich mit der Bildwelt El Grecos auseinandersetzten. Neben Werken von Cézanne, Picasso und Delaunay werden auch Gemälde von Beckmann, Kokoschka, Macke, Marc und vielen anderen präsentiert, die von der großen Faszination berichten, die El Greco auf sie ausübte. Franz Marc: „Cézanne und Greco sind Geistesverwandte über die trennenden Jahrhunderte hinweg“.

Katalog zur Ausstellung
Zur Ausstellung ist im Verlag Hatje Cantz ein reich illustrierter Katalog mit ca. 400 Seiten erschienen. Museumsshop: 39,90 Euro: vergriffen!
Buchhandelspreis: 49,80 Euro

Weitere Informationen zur Fundación El Greco, die die Ausstellungen zu El Greco in seinem 400. Todesjahr 2014 koordiniert.

Zeitgleich zu EL GRECO UND DIE MODERNE findet vom 28. April bis 24. Juni 2012 die Ausstellung „Bilder gegen die Dunkelheit. Videokunst aus dem Archiv des imai - inter media art institute" statt. Diese Ausstellung wird im KIT - Kunst im Tunnel präsentiert. 

Internationales Symposium El Greco

Im Rahmen der Ausstellung ‚El Greco und die Moderne‘ (28.04. – 12.08.2012) organisiert das Museum Kunstpalast ein internationales Symposium zum Thema ‚El Greco und der Streit um die Moderne: Fruchtbare Missverständnisse und Widersprüche in seiner deutschen Rezeption zwischen 1888 und 1939‘. Ziel des Kolloquiums ist es, die Inhalte des spannenden Streites wissenschaftlich aufzuarbeiten und nach Gründen für das lange Schweigen zu El Greco zu fragen. Das im Robert-Schumann Saal stattfindende Symposium wird am 21. Juni 2012 um 19h durch einen öffentlichen Festvortrag des renommierten El Greco-Spezialisten Prof. Dr. Nicos Hadjinicolaou eingeleitet. Auf dem Programm stehen interessante Beiträge internationaler Referenten wie Prof. Dr. Fernando Marías, Dr. Leticia Ruiz, Dr. Veronika Schroeder und Dr. Elisabeth Hipp. Die einzelnen Sektionen des Symposiums am 22. und 23. Juni 2012 richten sich an ein interessiertes Fachpublikum.

Programm

DONNERSTAG, 21. JUNI 2012

Festvortrag
19.00 Prof. Dr. Nicos Hadjinicolaou, Kreta, El Greco Centre, Institute for Mediterranean Studies, Rethymno
Kunstrezeption und Politik: der Streit um Dominico Greco

FREITAG, 22. JUNI 2012

9.00 Beat Wismer, Generaldirektor Düsseldorf, Museum Kunstpalast
Begrüßung
Prof. Dr. Michael Scholz-Hänsel, Leipzig, Universität Leipzig
Einleitung

I. Werkentwicklung und Forschungsstand El Greco
Moderation: Prof. Dr. Michael Scholz-Hänsel

9.30 Dr. José Riello, Madrid, Universidad Autónoma
The El Greco they knew and El Greco we know?

10.15 Dr. Anette Schaffer, Bern, Universität Bern
El Greco’s Laokoon

11:00 Kaffeepause

11.20 Dr. Carmen Garrido, Madrid, Museo Nacional del Prado
El Grecos Maltechnik

12.05 Maria Aresin, B. A., Heidelberg, Universität Heidelberg
Tintoretto und El Greco

12.30 Diskussion

13.00 Mittagspause

II. Die Spanien-Rezeption in Deutschland oder El Greco gegen Velázquez
Moderation: Dr. Veronika Schroeder

14.00 Dr. Elisabeth Hipp, München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen
El Greco in München

14.45 Dr. Karin Hellwig, München, Zentralinstitut für Kunstgeschichte
Justi, Cossío, Saxl: El Greco und die Tradition

15:30 Kaffeepause

15.50 Dr. Teresa Posada Kubissa, Madrid, Museo Nacional del Prado
August L. Mayer und Hugo Kehrer

16.35 Dr. Johannes Rößler, Weimar, Klassik Stiftung Weimar
Hexenmeister und pathologischer Fall. Carl Justi und seine Begegnungen mit El Greco

17:20 Diskussion

SAMSTAG, 23. JUNI 2012

III. Das Greco-Fieber der Expressionisten im kulturellen Kontext der Zeit
Moderation: Beat Wismer

9.30 Dr. Veronika Schroeder
El Greco und die deutschen Expressionisten

10.15 Dr. Martina Padberg
El Greco und der Rheinische Expressionismus

11.00 Kaffeepause

11.20 Dr. Helena Pereña-Saez, München, Städtische Galerie im Lenbachhaus
Die österreichischen Expressionisten

12.05 Dr. Eric Storm, Leiden, Universität Leiden
 Nationalismus, Modernismus und die transnationale Wiederentdeckung El Grecos

12.50 Prof. Dr. Michael Scholz-Hänsel, Leipzig, Universität Leipzig

Abschlussresümee

 

 

Wir danken unseren Sponsoren und Partnern für die Unterstützung

Kooperationspartner

Ad Arte, Aktionsgemeinschaft „Auf nach Unterbach“, Bäckerei Hinkel, Bahnhofsbuchhandlung Grauert, Buchhandlung Dietsch, Buchhandlung Walther König, Buchhaus Sternverlag, Café und Zuckerbäckerei Maushagen, Carsch-Haus, Center.TV Heimatfernsehen, Courtyard by Marriott Düsseldorf Hafen, Dehoga NRW, Düsseldorf Marketing und Tourismus, Fortuna Düsseldorf, Flughafen Düsseldorf, Franzen, Goethe Buchhandlung, Heinrich-Heine-Universität, Holiday Inn City Centre Königsallee, Hotel Nikko, Kaufhauf Am Wehrhahn, Kaufhof Berliner Allee, Kaufhof Königsallee, Kö-Galerie, Lehmanns Media, Lufthansa AG, Malerfachgeschäft Gerhard Brillert, Mayersche Buchhandlung, Metropol Düsseldorfer Filmkunstkinos, Monkey´s Gastronomie Düsseldorf, Nachtresidenz, Rheinbahn, Schadow Arkaden, Spanischer Garten, Thalia Buchhandlung Düsseldorf, Thalys

Die Stiftung Museum Kunstpalast ist eine Public-Private-Partnership zwischen der Landeshauptstadt Düsseldorf, E.ON AG und METRO Group.

Dieter Nuhr über El Greco

El Greco, Laokoon, 1610-14, Öl auf Leinwand, 137,5 x 172,5 cm, National Gallery of Art, Washington, Samuel H. Kress Collection 1946.18.1
El Greco, Laokoon, 1610-14, Öl auf Leinwand, 137,5 x 172,5 cm, National Gallery of Art, Washington, Samuel H. Kress Collection 1946.18.1

Die Fußballarenen sind voll, Popstars spielen in Stadien und eine leiernde, schlecht animierte Katze wird zum Superstar (Suchen Sie einfach bei YouTube nach der Nyan-Cat - 70 Millionen Klicks! Nicht die 100Stunden-Fassung anklicken, die zieht sich ein bisschen). Kunst aber spielt im öffentlichen Leben so gut wie keine Rolle. Warum ist das so? Wahrscheinlich ist die Nyan-Cat leichter konsumierbar, da sie außer Stumpfsinn vom Betrachter keinerlei Vorleistungen erfordert.

Vielleicht würden sich mehr Jugendliche statt für die Nyan-Cat für El Greco interessieren, wenn sie wüssten, was der Mann für ein Freak war. Langgezogene Figuren in schrillen Farben, pathetische Verrenkungen, wirre Blicke, der Mann war für seine Kunstauffassung einfach mal locker 400 Jahre zu früh. Er muss den Leuten damals vorgekommen sein wie ein zugedröhnter Irrer.

Heutzutage ist eine gediegen durchgeknallte Haltung nichts Besonderes mehr. Jeder Friseur nimmt für sich in Anspruch, ein unkonventioneller Kerl und Künstler zu sein, der die Locke selbstverständlich völlig anders und vor allem wilder legt als der Stümper nebenan. Damals aber, als man gesellschaftlich noch großen Wert auf standesgemäßes Benehmen und Unterwürfigkeit legte, musste ein Künstler wie El Greco erscheinen wie von einem anderen Planeten. Ein Alien, geboren auf Kreta, gelernt in Venedig, gelandet in Toledo, eine der bizarrsten Gestalten der Kunstgeschichte – neben Typen wie William Blake, Francisco di Goya, William Turner oder den ganzen anderen Verrückten, deren Fantasien so grotesk waren, dass sie erst wirklich verstanden wurden, als man im 20. Jahrhundert eine vage Vorstellung vom Unterbewussten bekam.

El Greco malte ekstatisch-visionäre Figuren in Lichteffekten wie aus der Technohölle. So müssen unsere Eltern den Punk erlebt haben. „Das kann doch keiner schön finden!“ röchelten die Erziehungsberechtigten in den 70ern, während aus dem Kinderzimmer die Sex Pistols donnerten. Als El Greco sein „Martyrium des Heiligen Mauritius und der Thebaischen Legion“ malte, wird die Reaktion kaum verhaltener gewesen sein. Allerdings dürfte der Entzug des Taschengeldes unter den verwöhnten Blagen meiner Jugend weit unerheblicher gewesen sein als der Rausschmiss als Maler am Königshof in einer Zeit, in der die Inquisition hinter jeder Andersartigkeit das Wirken des Teufels vermutete. Und während man in den 70ern entdeckte, dass auch eine Ohrfeige eine Misshandlung sein kann, galt das Häuten, Ertränken oder Verbrennen in El Grecos Zeiten noch als moderate pädagogische Maßnahme. Da sollte man auch als verhaltensgestörter Jugendlicher Respekt haben vor all den Quergeistern, die sich damals trauten ihren eigenen Weg zu gehen.

Heute sehen wir El Greco gerne als einen zu früh gekommenen Expressionisten. Das ist eine radikale Verharmlosung! Seine verdrehten Figuren in wirren mehrdimensionalen Räumen sind eine 400jährige Vorwegnahme surrealistischer Äußerungen des Unterbewussten. Sein Jesus sieht häufig aus wie Ashton Kutcher als suizidgefährdeter Milliardär in seiner ersten Folge von „Two and a Half Men“, nur noch hagerer und im Bild gefühlt 3,20 Meter groß. Der heilige Hyronimus wirkt wie ein verkorkster Bodybuilder, die schräge Tischkante wie von van Gogh dahingeworfen, perspektivisch völlig zerrissen, der Raum in schwarz aufgelöst – und was kommt da links aus dem Baum? Ein Bein? Was ist das?

Der Mann hatte offenbar weniger handwerklichen Ehrgeiz als krude Fantasie. Der virtuose Pinselstrich seines Lehrers Tizian ist ihm fremd, er pinselt frei und gewaltsam und gerne auch mal gegen den Strich. Ihm geht es - wie den Künstlern der Moderne – nicht um die virtuose Oberfläche, sondern um das Sein hinter dem Schein. Und dafür schert er sich einen Dreck um die künstlerischen Normen seiner Zeit.

Sein Laocoon wirkt wie eine Mischung aus Wiener Jugendstil und Gotik mit einem Schuss Kirchner oder Beckmann, die Wolken wie von Nolde, hinten ein Horizont, der links einfach verschwindet, das alles in einem sich wie bei van Gogh auflösendem, in multiple Perspektiven zerlegten Raum, gemalt von einem Maler, der mit einem Bein noch im byzantinischen Mittelalter steht! Wahnsinn!

Ganz nebenbei: Wenn Sie an sexuellen Anspielungen interessiert sind, sollten Sie das Bild mit Ihrem Analytiker besprechen. Damen, die aus einem vaginaartigen Gebilde entschweben, während sich die Herren nebenan mit ihren Schlangen vergnügen, würde man eher in psychologischen Krankheitsberichten vermuten als bei einem Maler des 16. Jahrhunderts. Der Mann war offenbar völlig durchgedreht. Watt för ene Jeck! Wie man bei uns im Rheinland so schön sagt.

Insofern ist es gut, dass uns El Greco jetzt besuchen kommt. Hier im Rheinland ist man tolerant. Wir haben Verständnis für Aus-der-Zeit-Gefallene. Herzlich Willkommen! Und wenn man jetzt noch ein paar jungen Leuten erklären würde, was da für ein Punk der Stadt die Ehre gibt, dann kommen neben den üblichen Verdächtigen vielleicht auch einmal ein paar Durchgeknallte ins Museum – und schauen sich statt der Nyan-Cat El Greco an. Das wäre mal was Anderes...´

Dieter Nuhr

Bundespräsident Gauck bei El Greco

Generaldirektor Beat Wismer begrüßt Bundespräsident Joachim Gauck bei dessen Ankunft im Museum Kunstpalast, Foto: Stefan Arendt, Medienzentrum Rheinland
Generaldirektor Beat Wismer begrüßt Bundespräsident Joachim Gauck bei dessen Ankunft im Museum Kunstpalast, Foto: Stefan Arendt, Medienzentrum Rheinland
Von links: Generaldirektor Beat Wismer, Bundespräsident Joachim Gauck, Daniela Schadt, Oberbürgermeister Dirk Elbers in der Ausstellung, Foto: Stefan Arendt, Medienzentrum Rheinland
Von links: Generaldirektor Beat Wismer, Bundespräsident Joachim Gauck, Daniela Schadt, Oberbürgermeister Dirk Elbers in der Ausstellung, Foto: Stefan Arendt, Medienzentrum Rheinland

Bundespräsident Joachim Gauck besucht Düsseldorfer El Greco-Schau

Bundespräsident Joachim Gauck besuchte in Begleitung seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt am Mittwoch, den 4.7.2012 die El Greco-Ausstellung im Museum Kunst­palast in Düsseldorf.

Staatssekretär Franz-Josef Lersch-Mense, Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, und Dirk Elbers, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf, be­grüß­­ten den Bundespräsi­denten bei seinem Eintreffen im Museum und nahmen an dem von Beat Wismer, dem General­direktor der Stiftung Museum Kunstpalast, geführten Rund­gang durch die Ausstellung teil.

Mit dem Besuch der Schau „El Greco und die Moderne“ erfüllte sich Bundespräsident Gauck, der gemeinsam mit dem spanischen König Juan Carlos I. die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernommen hatte, auch einen privaten Wunsch. Waren es doch Terminüberschneidungen, die dem Bundespräsidenten eine Teilnahme an der Ausstel­lungseröffnung Ende April unmöglich machten. Nun ermöglichte ein kleines Zeitfenster im Terminkalender des Bundespräsidenten vor einem offiziellen Termin in NRW, den eher privat gehaltenen Besuch der exklusiv nur in Düsseldorf gezeigten El Greco-Ausstellung.

Beat Wismer und Joachim Gauck in der Ausstellung, Foto: Stefan Arendt, Medienzentrum Rheinland
Beat Wismer und Joachim Gauck in der Ausstellung, Foto: Stefan Arendt, Medienzentrum Rheinland

Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich angetan von der einzigartigen Schau, die Werke von El Greco und Malern der Moderne aus Museen wie dem Prado, Madrid, dem Metropolitan Museum of Art, New York, der National Gallery of Art, Washington, aber auch aus internationalen Privat­samm­lungen zusammenführt. Erfreut hörte er vom Direktor des Museums und Kurator der Schau, Beat Wismer, daß die Ausstellung bei den Besuchern einen großen Zuspruch erfährt: bereits mehr als 90.000 Besucher waren bis zu diesem Tag zu verzeichnen.

Bundespräsident Joachim Gauck hat als Schirmherr im Katalog und im Vorfeld des nun stattgefundenen Besuchs der Ausstellung ein Grußwort gewidmet:

Wer in Düsseldorf die kostbaren Originale betrachtet, wird wohl mehr als einen Grund finden, einige Augenblicke dankbar in sich zu gehen: Weil in der Postmoderne eine solche Ausstellung mit Leihgaben aus aller Welt möglich ist. Weil unsere Gesellschaft bereit ist, sich mit Leidenschaft und Leidens­fähigkeit vergangener Epochen – nicht nur in künstle­rischer Hinsicht – auseinanderzusetzen. 

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