Von Murano bis Memphis

Italienisches Glas aus den Beständen des Glasmuseum Hentrich

27.03.2010-37.06.2010

 

Viele Jahrhunderte lang blieb Venedig mit seiner vorgelagerten Glasmacherinsel Murano das glaskünstlerische Zentrum Europas. Farbloses, hauchdünnes „cristallo“ und die vielen Verzierungstechniken, darunter die Emailmalerei und das Fadenglas, brachten im Mittelalter und in der Renaissancezeit den Ruhm. Alle späteren Erfolge venezianischer Glaskunst gründeten in dieser glorreichen Vergangenheit – selbst der Einzug der Moderne in den 1920er Jahren, als der Glashüttenbetreiber Paolo Venini und der Entwerfer Vittorio Zecchin den Glasbläsern schlichte, klassische Formen ohne den dekorativen Ballast des Historismus und Jugendstils abverlangten. Entscheidende Impulse für die Folgezeit kamen zum einen aus Mailand, aus der 1923 gegründeten Gruppe „Il Labirinto“ um den Architekten Gio Ponti, der auch Venini angehörte, und zum anderen aber aus dem hohen Norden, aus Skandinavien. Die Zahl der Glashütten, die an vorderster Front das glaskünstlerische Bild Venedigs bestimmten, nahm zu. Unterbrochen durch den zweiten Weltkrieg kam es dann in den 50er Jahren zum Durchbruch und zur Etablierung von Künstlern wie Fulvio Bianconi und Archimede Seguso. Kennzeichnend für die besten Arbeiten der modernen Murano-Glasarbeiten war die hohe glasbläserische Perfektion, die klare, sichere Formgebung und ein großer Schatz an Gestaltungstechniken, kurz, ein Fortdauern der besten Qualitäten der venezianischen Glastradition. Stets barg dies auch die Gefahr der Erstarrung und Krise. Anregungen von Außen, etwa durch Ettore Sottsass und weitere Künstler der 1981 gegründeten Mailänder Designergruppe Memphis, haben bislang für Fortsetzungen gesorgt in der langen Erfolgsgeschichte der Glaskunst aus Venedig.

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