IM RAUSCH DER KUNST

Jean Dubuffet und Art Brut

19.02.2005-29.05.2005

 Jean Dubuffet (1901-1985) ist der bedeutendste französische Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zeit seines Lebens war er ein Rebell, der sich gegen die traditionelle Kunst gewandt und nach neuen Ausdrucksformen gesucht hat. Dementsprechend vielseitig gestaltete sich sein umfangreiches Schaffen: Der einstige Weinhändler war sowohl Maler und Bildhauer als auch Kunstphilosoph und Schriftsteller sowie ein leidenschaftlicher Kunstsammler. Auf seiner Suche nach ursprünglicher Kreativität entdeckte Dubuffet – wie viele andere Künstler seiner Zeit – Kinderzeichnungen und Kunst von gesellschaftlichen Außenseitern. Er war fasziniert von deren spontaner, intuitiver Herangehensweise und ihrer ungewöhnlichen Erfindungskraft, die sehr unterschiedliche Ausdrucksweisen hervorbringt. Künstlerische Autodidakten schaffen aus einem tiefen seelischen Bedürfnis heraus Werke nach ihren eigenen ästhetischen sowie inhaltlichen Kriterien. Oft arbeiten diese Autodidakten in einer aufgezwungenen oder selbst gewählten Isolation und erschaffen sich ihre eigene Welt. Für diese Art der Kunst prägte Dubuffet 1945 den Begriff Art Brut: eine „rohe“, spontane und unverbildete Kunst. Er schuf damit eine neue ästhetische Kategorie, die für die moderne Kunst bis heute von besonderer Bedeutung ist. Seitdem setzte Dubuffet sich unermüdlich für die Anerkennung der Art Brut ein. Das museum kunst palast stellt zum ersten Mal in einer großen Schau 80 Werke von Jean Dubuffet unmittelbar den Arbeiten der Art Brut gegenüber. In einer offenen Ausstellungsarchitektur zeigt eine konzentrierte Werkauswahl einen Überblick über Dubuffets vielfältiges Schaffen. In angrenzenden Kabinetten und kleineren Bereichen geben ca. 330 Werke der 50 bedeutendsten Art Brut-Künstler - von denen allein 160 Werke aus der Collection de l'Art Brut, Lausanne stammen - einen eindrucksvollen Einblick in die Bandbreite künstlerischer Gestaltungen: Gemälde, Zeichnungen, Assemblagen, Skulpturen, Architekturmodelle sowie Filme über Gesamtkunstwerke Arbeiten aus der Sammlung Prinzhorn ergänzen diese Gegenüberstellung um einen wichtigen historischen Aspekt: Dubuffet war stark beeinflusst von Hans Prinzhorns Buch „Bildnerei der Geisteskranken“, das bereits kurz nach seinem Erscheinen 1922 zur ’Bibel’ für viele moderne Künstler wurde. Der Arzt und Kunsthistoriker hatte für die Psychiatrische Klinik der Universität Heidelberg eine umfangreiche Sammlung mit Werken von Patienten zu Forschungszwecken angelegt.

 

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